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4. Wie ordne ich meine Klau­sur?

b. Wie ordne ich ver­schie­dene An­spruchs­grund­lagen?

Selbst wenn Sie nur ein An­spruchsziel prü­fen müs­sen, kom­men oft­mals meh­rere An­spruchs­grund­lagen in Be­tracht.

Ein An­spruch auf Her­aus­gabe kann sich un­ter an­de­rem aus § 985 BGB, § 812 Abs. 1 S. 1, 1. Var. BGB, § 861 BGB, § 1007 Abs. 1 BGB, § 823 Abs. 1 BGB iVm § 249 BGB oder aus § 2130 BGB er­ge­ben.

In die­sen Fäl­len müs­sen Sie zu­nächst die­je­ni­gen Nor­men, die er­sicht­lich nicht pas­sen, aus­sor­tie­ren (etwa § 2130 BGB, wenn nie­mand ver­stor­ben ist, oder § 985 BGB, wenn keine An­ga­ben zum Ei­gen­tum im Sach­ver­halt auf­find­bar sind). Die üb­ri­gen Nor­men soll­ten Sie in eine Rei­hen­folge brin­gen, die In­zi­dent­prü­fungen weit­ge­hend ver­mei­det:

  • Sie be­gin­nen mit ver­trag­li­chen An­sprü­chen, da diese An­sprü­che aus §§ 677 ff. BGB aus­schlie­ßen (da je­der Ver­trag einen "Auf­trag" im Sinne die­ser Norm dar­stellt), ein Recht zum Be­sitz im Sinne von § 986 BGB be­grün­den, de­lik­ti­sche Hand­lun­gen recht­fer­ti­gen oder zu­min­dest das Ver­schul­den be­ein­flus­sen und einen recht­li­chen Grund im Sinne von § 812 Abs. 1 S. 1 BGB dar­stel­len.

Wenn Sie einen Be­hand­lungs­ver­trag mit ei­nem Arzt schlie­ßen (§ 630a BGB), kön­nen Sie die­sen nicht we­gen Kör­per­ver­let­zung aus De­likts­recht in An­spruch neh­men (§ 823 Abs. 1 BGB), so­weit er die Vor­ga­ben des Ver­trages ein­hält. Ebenso we­nig kann der Ver­mie­ter vom Mie­ter die Sa­che nach § 985 BGB her­aus­ver­lan­gen, so­lange der Miet­ver­trag noch läuft. Wer oh­ne­hin durch einen Ver­trag ver­pflich­tet ist, auf ein frem­des Haus auf­zu­pas­sen, kann nicht nach § 683 S. 1, 670 BGB hier­für Auf­wen­dungser­satz ver­lan­gen.

  • Ver­tragsähn­li­che Be­zie­hun­gen, etwa aus § 179 Abs. 1 BGB (Ver­tre­tung ohne Ver­tre­tungs­macht) oder aus § 670 BGB iVm § 683 S. 1 BGB (echte be­rech­tigte Ge­schäfts­füh­rung ohne Auf­trag - GoA) kön­nen eben­falls einen Rechts­grund im Rah­men von § 986 BGB bzw. § 812 Abs. 1 S. 1, 1. Var. BGB dar­stel­len, im Rah­men des De­likts­rechts recht­fer­ti­gend wir­ken oder das Ver­schul­den mo­di­fi­zie­ren (§ 680 BGB). Da­her soll­ten Sie diese vor ding­li­chen, de­lik­ti­schen und be­rei­che­rungs­recht­li­chen An­sprü­chen prü­fen.
  • Ding­li­che An­sprü­che, etwa aus § 985 BGB, aus § 861 BGB oder aus § 1007 Abs. 1 BGB, be­ste­hen grund­sätz­lich un­ab­hän­gig von de­lik­ti­schen oder be­rei­che­rungs­recht­li­chen An­sprü­chen. Et­was an­de­res gilt nur für Scha­dens- und Nut­zungser­satz: Dort ord­net § 993 Abs. 1 a.E. BGB einen Aus­schluss die­ser An­sprü­che an. Aus prak­ti­schen Grün­den soll­ten Sie da­her alle ding­li­chen An­sprü­che vor An­sprü­chen aus Be­rei­che­rungs­recht oder De­likts­recht prü­fen.
  • Da­mit blei­ben zu­letzt An­sprü­che aus De­likts- und Be­rei­che­rungs­recht (§§ 823 ff. BGB, §§ 812 ff. BGB). Diese ha­ben un­ter­ein­an­der kein Kon­kur­renz­ver­hält­nis. Sie kön­nen also eine be­lie­bige Rei­hen­folge wäh­len.

Man kann sich (wenn man ein sehr schlech­tes Ge­dächt­nis hat) den Merk­spruch "Viel Quatsch schreibt der Bear­bei­ter" (wo­bei die An­fangs­buch­sta­ben für ver­trag­li­che, qua­si-ver­trag­li­che bzw. ver­trag­s­ähn­li­che, sachen­recht­li­che bzw. ding­li­che, delik­ti­sche und ber­ei­che­rungs­recht­li­che An­spruchs­grund­lagen ste­hen) mer­ken.

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