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F. Un­ter wel­chen Um­stän­den ist eine An­fech­tung mög­lich?

I. Wo dis­ku­tie­ren Sie die An­fech­tung in der Klau­sur?

Wo Sie die An­fech­tung in der Klau­sur dis­ku­tie­ren, ist in­ner­halb der Lehr­bü­cher um­strit­ten:

  • Mög­lich­keit 1: Sie kön­nen die An­fech­tung un­mit­tel­bar im Rah­men der Prü­fung der be­trof­fe­nen Wil­lens­er­klä­rung prü­fen, d.h. un­ter der Über­schrift "An­spruch ent­stan­den" ent­we­der beim An­trag oder bei der An­nahme, also bei der Wil­lens­er­klä­rung, die an­ge­foch­ten wur­de. Da­für spricht der Wort­laut des § 142 Abs. 1 BGB, wo­nach die An­fech­tung be­wirkt, dass das Rechts­ge­schäft (und da­mit auch die dar­aus re­sul­tie­ren­den An­sprü­che) nie ent­stan­den ist. Zu­dem passt es da­zu, dass ge­rade ein Ele­ment des sub­jek­ti­ven Tat­be­stands der Wil­lens­er­klä­rung (der Ge­schäfts­wille) fehlt. Die Rück­ge­währ be­reits er­brach­ter Leis­tungen (ge­zahl­tes Geld, ge­lie­ferte Sa­chen) er­folgt dann nach § 812 Abs. 1 S. 1, 1. Var. BGB. Rein prak­tisch ist es schließ­lich so, dass Sie im ers­ten Se­mes­ter an­dere zum Er­lö­schen füh­rende Ge­stal­tungs­rechte (wie Rück­tritt, § 346 BGB und Wi­der­ruf, § 355 BGB) noch nicht ge­nauer be­han­delt ha­ben, von de­nen die An­fech­tung mög­li­cher­weise ab­zu­gren­zen wä­re.
  • Mög­lich­keit 2: Teil­weise wird dem­ge­gen­über ver­tre­ten, dass die Fik­tion des § 142 Abs. 1 BGB auf den Prü­fungs­auf­bau keine Aus­wir­kun­gen ha­ben sollte - statt­des­sen sei die An­fech­tung un­ter "An­spruch un­ter­ge­gan­gen" zu prü­fen. Kon­se­quent wen­det diese Auf­fas­sung auch nicht § 812 Abs. 1 S. 1, 1. Var. BGB (der recht­li­che Grund be­stand von An­fang an nicht), son­dern § 812 Abs. 1 S. 2, 1. Var. BGB (der recht­li­che Grund ist spä­ter weg­ge­fal­len) als An­spruchs­grund­lage für die Rück­ge­währ be­reits er­brach­ter Leis­tungen an.
Dies ist kein "Mei­nungs­streit" den Sie in der Klau­sur dis­ku­tie­ren dür­fen, denn der Prü­fungs­auf­bau ist grund­sätz­lich nie zu er­läu­tern, son­dern reine Ge­schmackssa­che! Ent­schei­den Sie sich für eine der Mög­lich­kei­ten und blei­ben Sie da­bei - be­ach­ten Sie nur kon­se­quent die Folge im Rah­men der Prü­fung von § 812 BGB.
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