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II. Was un­ter­schei­det "Kör­per­schaften" von "Per­so­nen­ge­sell­schaften"?

1. Was sind die ty­pi­schen Merk­male von "Per­so­nen­ge­sell­schaften"?

Ty­pi­sche Merk­male von Per­so­nen­ge­sell­schaften sind:

  • Recht­li­che Ein­ord­nung: rechts­fä­hig, aber keine ju­ris­ti­sche Per­son

Das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts (Mo­PeG) ist am 1.1.2024 in Kraft ge­tre­ten. Seit­dem gilt: Die Per­so­nen­ge­sell­schaft kann selbst Rechte er­wer­ben und Ver­bind­lich­kei­ten ein­ge­hen. Sie ist also rechts­fä­hig. Für die GbR er­gibt sich das aus § 705 Abs. 2 BGB. Vor­aus­set­zung ist, dass die Ge­sell­schaft nach dem ge­mein­sa­men Wil­len der Ge­sell­schaf­ter am Rechts­ver­kehr teil­neh­men soll (rechts­fä­hige Ge­sell­schaft). Das Ge­gen­stück ist die nicht rechts­fä­hige Ge­sell­schaft (In­nen­ge­sell­schaft), die nur das Ver­hält­nis der Ge­sell­schaf­ter un­ter­ein­an­der ord­net. Für die OHG folgt die Rechts­fä­hig­keit aus § 105 Abs. 2 HGB, für die KG aus § 161 Abs. 2 i.V.m. § 105 Abs. 2 HGB.

Das frü­here Mo­dell der Ge­samt­handsge­mein­schaft hat der Ge­setz­ge­ber auf­ge­ge­ben. Nach die­sem Mo­dell stand das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen den Ge­sell­schaf­tern „zur ge­sam­ten Hand“ zu, also al­len ge­mein­schaft­lich. Heute ge­hört das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen der Ge­sell­schaft selbst (§ 713 BGB).

Trotz ih­rer Rechts­fä­hig­keit wird die Per­so­nen­ge­sell­schaft her­kömm­lich nicht als ju­ris­ti­sche Per­son ein­ge­ord­net. Von der Kör­per­schaft un­ter­schei­det sie sich vor al­lem durch die enge Bin­dung an ihre Ge­sell­schaf­ter und de­ren per­sön­li­che Haf­tung (dazu un­ten).

Für die Grün­dung ei­ner Per­so­nen­ge­sell­schaft sind stets min­des­tens zwei Ge­sell­schaf­ter er­for­der­lich. Eine Ein­per­so­nen-Per­so­nen­ge­sell­schaft gibt es nicht. Schei­det der vor­letzte Ge­sell­schaf­ter aus, er­lischt die Ge­sell­schaft des­halb ohne Li­qui­da­tion (Ab­wick­lung). Ihr Ver­mö­gen geht im Wege der Ge­samt­rechts­nach­folge auf den ver­blei­ben­den Ge­sell­schaf­ter über (§ 712a Abs. 1 BGB). Ge­samt­rechts­nach­folge be­deu­tet: Alle Rechte und Pflich­ten ge­hen als Gan­zes über, ohne dass je­des Recht ein­zeln über­tra­gen wer­den muss.

  • Starke mit­glied­schaft­li­che Bin­dung

Per­so­nen­ge­sell­schaften be­ru­hen ty­pi­scher­weise auf dem per­sön­li­chen Ver­trauen der Ge­sell­schaf­ter zu­ein­an­der. Des­halb ist die Mit­glied­schaft eng an die Per­son des Ge­sell­schaf­ters ge­knüpft:

  • Über­tra­gung: Ein Ge­sell­schaf­ter kann sei­nen An­teil nur mit Zu­stim­mung der an­de­ren Ge­sell­schaf­ter über­tra­gen (§ 711 Abs. 1 BGB). Der Ge­sell­schafts­ver­trag kann die Über­tra­gung er­leich­tern.
  • Ver­er­bung: Der An­teil geht nur dann auf die Er­ben über, wenn der Ge­sell­schafts­ver­trag dies vor­sieht (Nach­fol­ge­klau­sel, § 711 Abs. 2 BGB). Fehlt eine sol­che Klau­sel, schei­det der ver­stor­bene Ge­sell­schaf­ter aus. Die üb­ri­gen Ge­sell­schaf­ter set­zen die Ge­sell­schaft fort (§ 723 Abs. 1 Nr. 1 BGB; für die OHG § 130 Abs. 1 Nr. 1 HGB). Eine Aus­nahme gilt für den Kom­man­di­tisten: Stirbt er, wird die KG im Zwei­fel mit sei­nen Er­ben fort­ge­setzt (§ 177 HGB).

Der Be­stand der Ge­sell­schaft hängt seit dem Mo­PeG we­ni­ger stark vom Ge­sell­schaf­ter­be­stand ab als frü­her. Schei­det ein Ge­sell­schaf­ter aus, etwa durch Tod oder Kün­di­gung, wird auch die GbR grund­sätz­lich nicht mehr auf­ge­löst. Der Ge­sell­schaf­ter schei­det aus, und die Ge­sell­schaft be­steht un­ter den üb­ri­gen Ge­sell­schaf­tern fort („Aus­schei­den statt Auf­lö­sung“).

A ist Ge­sell­schaf­ter ei­ner OHG und möchte sei­nen An­teil auf sei­nen Sohn S über­tra­gen. Hier­für be­darf er der Zu­stim­mung al­ler an­de­ren Ge­sell­schaf­ter (§ 711 Abs. 1 BGB i.V.m. § 105 Abs. 3 HGB), so­fern der Ge­sell­schafts­ver­trag nichts an­de­res be­stimmt.

  • Selbst­organ­schaft

Selbst­organ­schaft be­deu­tet: Ge­schäfts­füh­rung und Ver­tre­tung der Ge­sell­schaft lie­gen zwin­gend bei den Ge­sell­schaf­tern selbst. Ein Drit­ter, der nicht Ge­sell­schaf­ter ist, kann nicht Or­gan der Per­so­nen­ge­sell­schaft sein. An­ders ist es bei der GmbH: Dort kann auch ein Nicht­ge­sell­schaf­ter Ge­schäfts­füh­rer wer­den (Fremd­organ­schaft).

  • GbR: Die Ge­sell­schaf­ter sind zur Ge­schäfts­füh­rung (§ 715 Abs. 1 BGB) und zur Ver­tre­tung (§ 720 Abs. 1 BGB) be­rech­tigt. Im ge­setz­li­chen Re­gel­fall han­deln sie ge­mein­sam (§ 715 Abs. 3, § 720 Abs. 1 BGB).
  • OHG: Je­der Ge­sell­schaf­ter ist grund­sätz­lich al­lein zur Ge­schäfts­füh­rung (§ 116 HGB) und zur Ver­tre­tung (§ 124 Abs. 1 HGB) be­rech­tigt.
  • KG: Nur die per­sön­lich haf­ten­den Ge­sell­schaf­ter (Kom­ple­men­täre) füh­ren die Ge­schäfte und ver­tre­ten die Ge­sell­schaft. Die Kom­man­di­tisten sind da­von aus­ge­schlos­sen (§ 164, § 170 Abs. 1 HGB).
  • Ein­stim­mig­keits­prin­zip

Ge­sell­schaf­ter­be­schlüsse be­dür­fen grund­sätz­lich der Zu­stim­mung al­ler stimm­be­rech­tig­ten Ge­sell­schaf­ter (§ 714 BGB). Das gilt je­doch nicht „stets“. Der Ge­sell­schafts­ver­trag kann Mehr­heits­be­schlüsse vor­se­hen. Dann kommt es auf die Stimm­kraft der ein­zel­nen Ge­sell­schaf­ter an. Nach § 709 Abs. 3 Satz 1 BGB gilt: „Die Stimm­kraft und der An­teil an Ge­winn und Ver­lust rich­ten sich vor­ran­gig nach den ver­ein­bar­ten Be­tei­li­gungs­ver­hält­nis­sen.“ Fehlt eine sol­che Ver­einba­rung, ent­schei­det das Ver­hält­nis der ver­ein­bar­ten Werte der Bei­träge (§ 709 Abs. 3 Satz 2 BGB). Sind auch diese nicht ver­ein­bart, hat je­der Ge­sell­schaf­ter die glei­che Stimm­kraft (§ 709 Abs. 3 Satz 3 BGB). Bei Kör­per­schaften gilt da­ge­gen ty­pi­scher­weise das Mehr­heits­prin­zip.

  • Per­sön­li­che Haf­tung

Für die Ver­bind­lich­kei­ten der Ge­sell­schaft haf­tet zu­nächst die Ge­sell­schaft mit ih­rem Ver­mö­gen. Da­ne­ben haf­ten die Ge­sell­schaf­ter per­sön­lich mit ih­rem Pri­vat­ver­mö­gen. Diese Haf­tung ist ak­zes­so­risch. Sie hängt also in Be­stand und Um­fang von der Ver­bind­lich­keit der Ge­sell­schaft ab. Wie weit die per­sön­li­che Haf­tung reicht, hängt von der Rechts­form ab:

  • GbR: Die Ge­sell­schaf­ter haf­ten den Gläu­bi­gern als Ge­samt­schuld­ner per­sön­lich (§ 721 Satz 1 BGB).
  • OHG: Alle Ge­sell­schaf­ter haf­ten un­be­schränkt per­sön­lich (§ 126 Satz 1 HGB). Eine ab­wei­chende Ver­einba­rung ist ge­gen­über Drit­ten un­wirk­sam (§ 126 Satz 2 HGB).
  • KG: Hier gibt es zwei Ar­ten von Ge­sell­schaf­tern (§ 161 Abs. 1 HGB). Min­des­tens ein Kom­ple­men­tär haf­tet wie ein OHG-Ge­sell­schaf­ter un­be­schränkt. Die Kom­man­di­tisten haf­ten den Gläu­bi­gern nur bis zur Höhe ih­rer im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Ein­lage (Haft­sum­me). Ihre Haf­tung ist aus­ge­schlos­sen, so­weit sie die Ein­lage ge­leis­tet ha­ben (§ 171 Abs. 1, § 172 Abs. 1 HGB).

K ist Kom­man­di­tist der X-KG mit ei­ner im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Haft­summe von 10.000 Eu­ro. Er hat bis­her 4.000 Euro ein­ge­zahlt. Ein Gläu­bi­ger der KG kann K da­her noch per­sön­lich auf 6.000 Euro in An­spruch neh­men. Kom­ple­men­tär P haf­tet da­ge­gen un­be­schränkt mit sei­nem ge­sam­ten Pri­vat­ver­mö­gen.

Bei der GmbH & Co. KG ist der ein­zige Kom­ple­men­tär eine GmbH. Keine na­tür­li­che Per­son haf­tet hier un­be­schränkt. Das zeigt, wie stark die Grenze zwi­schen Kör­per­schaften und Per­so­nen­ge­sell­schaften in der Pra­xis ver­schwimmt.

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