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II. Was un­ter­schei­det "Kör­per­schaften" von "Per­so­nen­ge­sell­schaften"?

2. Was sind die ty­pi­schen Merk­male von "Kör­per­schaften"?

Kör­per­schaften wei­sen ty­pi­scher­weise die fol­gen­den Merk­male auf. Ach­ten Sie je­weils auf den Un­ter­schied zu den Per­so­nen­ge­sell­schaften (vor­an­ge­hende Sei­te).

  • Recht­li­che Ein­ord­nung

Kör­per­schaften sind grund­sätz­lich ju­ris­ti­sche Per­sonen. Sie sind also selbst Trä­ger von Rech­ten und Pflich­ten (Rechts­fä­hig­keit). Bei­spiele sind die GmbH, die AG und der ein­ge­tra­gene Ver­ein.

Neue Rechts­lage durch das Mo­PeG: Seit dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts (Mo­PeG) am 1.1.2024 ist auch die rechts­fä­hige Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts selbst Trä­ge­rin von Rech­ten und Pflich­ten (§ 705 Abs. 2 BGB). Das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen ist Ver­mö­gen der Ge­sell­schaft (§ 713 BGB). Das frü­here Ge­samt­handsprin­zip ist da­mit auf­ge­ge­ben. Die Rechts­fä­hig­keit al­lein un­ter­schei­det Kör­per­schaften also nicht mehr von Per­so­nen­ge­sell­schaften. Der Un­ter­schied liegt in der Ein­ord­nung: Kör­per­schaften sind ju­ris­ti­sche Per­sonen, rechts­fä­hige Per­so­nen­ge­sell­schaften sind es nicht (vgl. § 14 Abs. 2 BGB).

Eine Kör­per­schaft kann be­reits eine ein­zige Per­son grün­den (§ 1 GmbHG, § 2 AktG). Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften sind da­ge­gen stets min­des­tens zwei Ge­sell­schaf­ter nö­tig. Beim ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein gilt eine Be­son­der­heit: Er soll nur ein­ge­tra­gen wer­den, wenn er min­des­tens sie­ben Mit­glie­der hat (§ 56 BGB).

  • Un­ab­hän­gig­keit von ih­ren Mit­glie­dern

Der Be­stand der Kör­per­schaft hängt nicht von ih­ren Mit­glie­dern ab. Ein Mit­glie­der­wech­sel ist da­her grund­sätz­lich zu­läs­sig, ohne dass sich die Iden­ti­tät der Kör­per­schaft än­dert. Bei den Ka­pi­tal­ge­sell­schaften sind die An­teile des­halb in der Re­gel über­trag­bar und ver­erb­lich (für die GmbH § 15 Abs. 1 GmbHG; die Über­tra­gung be­darf dort ei­nes no­ta­ri­ell be­ur­kun­de­ten Ver­trags, § 15 Abs. 3 GmbHG). An­ders ist es beim Ver­ein: Die Mit­glied­schaft ist dort grund­sätz­lich we­der über­trag­bar noch ver­erb­lich (§ 38 S. 1 BGB).

Bei ei­ner Ak­ti­en­ge­sell­schaft sind die Ak­tien in der Re­gel frei über­trag­bar. Schei­det ein Ak­tio­när durch Ver­kauf sei­ner Ak­tien aus, be­steht die AG un­ver­än­dert fort.

  • Fremd­organ­schaft

Die Kör­per­schaft han­delt durch ihre Or­gane. Or­gane sind die Stel­len, die für die Kör­per­schaft han­deln und ent­schei­den, z. B. der Vor­stand der AG oder des Ver­eins und der Ge­schäfts­füh­rer der GmbH. Diese Or­gane müs­sen nicht mit Mit­glie­dern be­setzt sein. Auch Dritte kön­nen eine Or­gan­funk­tion über­neh­men (Fremd­organ­schaft, auch Drit­t­organ­schaft ge­nannt). Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften gilt da­ge­gen der Grund­satz der Selbst­organ­schaft: Ge­schäfts­füh­rung und Ver­tre­tung lie­gen bei den Ge­sell­schaf­tern selbst.

  • An­wen­dung des Mehr­heits­prin­zips

Für Be­schlüsse der Mit­glie­der gilt grund­sätz­lich das Mehr­heits­prin­zip. Beim Ver­ein ent­schei­det nach § 32 Abs. 1 S. 3 BGB „die Mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men“. Ein Be­schluss be­darf also nicht der Zu­stim­mung al­ler Mit­glie­der (Ein­stim­mig­keit), son­dern nur der Zu­stim­mung der Mehr­heit. Ent­spre­chen­des gilt für die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung der GmbH (§ 47 Abs. 1 GmbHG) und die Haupt­ver­samm­lung der AG (§ 133 Abs. 1 AktG). Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften ist da­ge­gen grund­sätz­lich die Zu­stim­mung al­ler stimm­be­rech­tig­ten Ge­sell­schaf­ter er­for­der­lich (§ 714 BGB).

Die Sat­zung kann grund­sätz­lich Ab­wei­chen­des be­stim­men, z. B. eine qua­li­fi­zierte Mehr­heit von drei Vier­teln. Bei der AG ist die­ser Spiel­raum al­ler­dings eng: Nach § 23 Abs. 5 AktG darf die Sat­zung vom Ak­tienge­setz nur ab­wei­chen, wenn das Ge­setz dies aus­drück­lich zu­lässt. Er­gän­zende Be­stim­mun­gen sind nur er­laubt, so­weit das Ge­setz keine ab­schlie­ßende Re­ge­lung ent­hält (Grund­satz der Sat­zungs­strenge).

  • Be­schränkte Haf­tung

Den Gläu­bi­gern ei­ner Kör­per­schaft haf­tet grund­sätz­lich nur das Ver­mö­gen der Kör­per­schaft. Die Mit­glie­der ste­hen für de­ren Ver­bind­lich­kei­ten nicht per­sön­lich ein. Das gilt für die Ka­pi­tal­ge­sell­schaften (GmbH, AG) und ebenso für den ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein. Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften haf­ten die Ge­sell­schaf­ter da­ge­gen grund­sätz­lich per­sön­lich (§ 721 BGB, § 126 HGB).

Aus­nah­me: KGaA. Die Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Ak­tien ist zwar eine Ka­pi­tal­ge­sell­schaft und ju­ris­ti­sche Per­son. Bei ihr haf­tet aber min­des­tens ein Ge­sell­schaf­ter den Gläu­bi­gern un­be­schränkt (per­sön­lich haf­ten­der Ge­sell­schaf­ter, § 278 Abs. 1 AktG).

In Aus­nah­me­fäl­len kommt eine Durch­griffs­haf­tung in Be­tracht. Dann haf­tet ein Mit­glied trotz der Tren­nung von Ge­sell­schafts- und Pri­vat­ver­mö­gen per­sön­lich, etwa wenn es beide Ver­mö­gen so ver­mischt, dass sie sich nicht mehr un­ter­schei­den las­sen.

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