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1. Was sind „ju­ris­ti­sche Per­sonen“?

c. Kon­troll­fra­ge: Ju­ris­ti­sche Per­son oder Per­so­nen­ge­sell­schaft?

Selbst­kon­trol­l­auf­ga­be:

1. An­hand wel­cher bei­den Merk­male las­sen sich ju­ris­ti­sche Per­sonen von rechts­fä­hi­gen Per­so­nen­ge­sell­schaften ab­gren­zen?

2. Was zeich­net eine Kör­per­schaft aus und worin un­ter­schei­det sie sich von ei­ner ju­ris­ti­schen Per­son?

Ant­wort (bitte ankli­cken)

Zu 1.: Die Rechts­fä­hig­keit selbst eig­net sich nicht (mehr) zur Ab­gren­zung. Auch rechts­fä­hige Per­so­nen­ge­sell­schaften kön­nen selbst Rechte er­wer­ben und Ver­bind­lich­kei­ten ein­ge­hen. Für die Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) re­gelt das seit dem Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz (Mo­PeG) aus­drück­lich § 705 Abs. 2 BGB. Ent­schei­dend sind zwei an­dere Merk­ma­le:

  • Der Weg zur Rechts­fä­hig­keit: Ju­ris­ti­sche Per­sonen ent­ste­hen nur mit staat­li­cher Mit­wir­kung. In der Re­gel er­lan­gen sie ihre Rechts­fä­hig­keit erst durch die Ein­tra­gung in ein Re­gis­ter. Diese Ein­tra­gung ist kon­sti­tu­tiv, das heißt, sie lässt die Rechts­fä­hig­keit erst ent­ste­hen (z. B. § 21 BGB für den ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein, § 11 Abs. 1 GmbHG, § 41 Abs. 1 Satz 1 AktG). Aus­nahms­weise ge­nügt eine be­hörd­li­che An­er­ken­nung oder Ver­lei­hung (§ 80 BGB für die Stif­tung, § 22 BGB für den wirt­schaft­li­chen Ver­ein). Eine rechts­fä­hige Per­so­nen­ge­sell­schaft ent­steht da­ge­gen durch den Ge­sell­schafts­ver­trag. Bei der GbR kommt es dar­auf an, dass sie nach dem ge­mein­sa­men Wil­len der Ge­sell­schaf­ter am Rechts­ver­kehr teil­neh­men soll (§ 705 Abs. 2 BGB). Die Ein­tra­gung in das Ge­sell­schafts­re­gis­ter (§ 707 BGB) ist für die Rechts­fä­hig­keit nicht er­for­der­lich.
  • Die Haf­tung: Bei ju­ris­ti­schen Per­sonen haf­tet den Gläu­bi­gern grund­sätz­lich nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen (§ 13 Abs. 2 GmbHG, § 1 Abs. 1 Satz 2 AktG). Auf das Pri­vat­ver­mö­gen der Ge­sell­schaf­ter kön­nen die Gläu­bi­ger im Re­gel­fall nicht zu­grei­fen. Diese Tren­nung von Ge­sell­schafts- und Ge­sell­schaf­ter­haf­tung nennt man Tren­nungs­prin­zip. Auch bei rechts­fä­hi­gen Per­so­nen­ge­sell­schaften ge­hört das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen zwar der Ge­sell­schaft selbst (§ 713 BGB). Da­ne­ben haf­ten die Ge­sell­schaf­ter aber für die Ge­sell­schafts­schul­den per­sön­lich und un­be­schränkt (§ 721 BGB für die GbR, § 126 HGB für die OHG). Bei der KG ist nur die Haf­tung der Kom­man­di­tisten be­schränkt (§ 171 HGB). Min­des­tens ein Ge­sell­schaf­ter, der Kom­ple­men­tär, haf­tet un­be­schränkt.

Zu 2.:

Eine Kör­per­schaft ist ein Per­so­nen­ver­band mit ei­ner be­stimm­ten, vom ein­zel­nen Mit­glied ge­lös­ten Or­ga­ni­sa­ti­onss­truk­tur (kör­per­schaft­li­che Ver­fas­sung).

Ty­pisch für eine Kör­per­schaft sind:

  • eine weit­ge­hende Ver­selbst­stän­di­gung ge­gen­über den Mit­glie­dern (ei­ge­nes Ver­mö­gen, ei­ge­ner Na­me),
  • ein Be­stand, der vom Wech­sel der Mit­glie­der im We­sent­li­chen un­ab­hän­gig ist,
  • eine Ver­bands­ver­fas­sung (Sat­zung),
  • eine von den Mit­glie­dern ge­trennte Ge­schäfts­lei­tung durch Or­gane (z. B. Vor­stand, Ge­schäfts­füh­rer), die auch mit Nicht­mit­glie­dern be­setzt wer­den kön­nen (Fremd­organ­schaft),
  • eine Wil­lens­bil­dung der Mit­glie­der in der Re­gel durch Mehr­heits­ent­schei­dung.

Per­so­nen­ge­sell­schaften sind da­ge­gen auf die Per­son der Ge­sell­schaf­ter zu­ge­schnit­ten. Die Ge­sell­schaf­ter füh­ren die Ge­schäfte grund­sätz­lich selbst (Selbst­organ­schaft). Be­schlüsse be­dür­fen im ge­setz­li­chen Re­gel­fall der Zu­stim­mung al­ler stimm­be­rech­tig­ten Ge­sell­schaf­ter (§ 714 BGB).

Kör­per­schaft und ju­ris­ti­sche Per­son be­schrei­ben un­ter­schied­li­che Din­ge. Die Kör­per­schaft be­trifft die in­nere Or­ga­ni­sa­tion ei­nes Ver­bands. Die ju­ris­ti­sche Per­son be­trifft seine Rechts­trä­gerschaft: Sie ist als sol­che selbst Trä­ger von Rech­ten und Pflich­ten. Beide Be­griffe de­cken sich da­her nicht voll­stän­dig:

Kör­per­schaftJu­ris­ti­sche Per­son
FrageWie ist der Ver­band or­ga­ni­siert?Wer ist Trä­ger der Rechte und Pflich­ten?
Kenn­zei­chenSat­zung, Or­ga­ne, Mehr­heits­prin­zip, Un­ab­hän­gig­keit vom Mit­glie­der­wech­selei­gene Rechts­per­sön­lich­keit, ent­stan­den mit staat­li­cher Mit­wir­kung; grund­sätz­lich Haf­tung nur mit dem ei­ge­nen Ver­mö­gen
Mit­glie­der er­for­der­lich?ja (Per­so­nen­ver­band)nein (z. B. Stif­tung als ver­selbst­stän­digte Ver­mö­gens­mas­se)
Bei­des zu­gleichein­ge­tra­ge­ner Ver­ein, GmbH, AG
Nur Kör­per­schaftVer­ein ohne Rechts­per­sön­lich­keit (§ 54 BGB): kör­per­schaft­lich or­ga­ni­siert, aber keine ju­ris­ti­sche Per­son
Nur ju­ris­ti­sche Per­sonrechts­fä­hige Stif­tung (§ 80 BGB): keine Mit­glie­der, da­her keine Kör­per­schaft
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