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III. Wel­che Un­ter­schiede be­ste­hen be­züg­lich der recht­li­chen Ein­ord­nung von Ge­sell­schaf­ten?

2. Was ist eine "Ge­samt­hand"?

Nach al­tem Recht war um­strit­ten, wem das Ver­mö­gen ei­ner Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) zu­steht.

Die tra­di­tio­nelle (in­di­vi­dua­lis­ti­sche) Ge­samt­handslehre stützte sich auf den Wort­laut der frü­he­ren §§ 714 f. BGB a.F. Da­nach wurde das Han­deln für die Ge­sell­schaft un­mit­tel­bar den Ge­sell­schaf­tern zu­ge­rech­net. Rechts­trä­ger wa­ren al­lein die Ge­sell­schaf­ter. Das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen war ein Son­der­ver­mö­gen der Ge­sell­schaf­ter ne­ben ih­rem Pri­vat­ver­mö­gen. Dar­über konn­ten sie nur ge­mein­sam ver­fü­gen („in ge­samt­hän­de­ri­scher Ver­bun­den­heit“).

Die neue Ge­samt­handslehre sah da­ge­gen die Gruppe der Ge­sell­schaf­ter als ei­ge­nes Zu­ord­nungs­sub­jekt an. Da­nach ist die Ge­sell­schaft selbst Trä­ge­rin von Rech­ten und Pflich­ten, je­den­falls in Teil­be­rei­chen (Teil­rechts­fä­hig­keit). Den Ge­sell­schaf­tern steht nur ihre Mit­glied­schaft in der Ge­sell­schaft zu.

Der BGH hat sich 2001 im Grund­satz der neuen Ge­samt­handslehre an­ge­schlos­sen. Da­nach ist die GbR rechts­fä­hig, so­weit sie als Au­ßen­ge­sell­schaft durch Teil­nahme am Rechts­ver­kehr ei­gene Rechte und Pflich­ten be­grün­det. Eine Au­ßen­ge­sell­schaft ist eine Ge­sell­schaft, die ge­gen­über Drit­ten auf­tritt (BGH, Urt. v. 29.1.2001 – II ZR 331/00, NJW 2001, 1056 – „ARGE Wei­ßes Ross“). Das Mo­PeG hat diese Recht­spre­chung ge­setz­lich fest­ge­schrie­ben.

Gel­ten­des Recht: Die Ge­sell­schaft als Ver­mö­gens­trä­ge­rin

Heute re­gelt § 713 BGB die Ver­mö­gens­zu­ord­nung aus­drück­lich. Die Bei­träge der Ge­sell­schaf­ter ge­hö­ren zum Ver­mö­gen der Ge­sell­schaft. Das­selbe gilt für die Rech­te, die für oder durch die Ge­sell­schaft er­wor­ben wer­den, und für die Ver­bind­lich­kei­ten, die ge­gen sie be­grün­det wer­den. Rechts­trä­gerin ist also die rechts­fä­hige Ge­sell­schaft selbst. We­der die ein­zel­nen Ge­sell­schaf­ter noch die Ge­sell­schaf­ter „zur ge­sam­ten Hand“ sind Rechts­trä­ger.

Rechts­fä­hig ist die GbR, wenn sie nach dem ge­mein­sa­men Wil­len der Ge­sell­schaf­ter am Rechts­ver­kehr teil­neh­men soll (§ 705 Abs. 2 BGB). Eine rechts­fä­hige Per­so­nen­ge­sell­schaft ist eine Per­so­nen­ge­sell­schaft, die mit der Fä­hig­keit aus­ge­stat­tet ist, Rechte zu er­wer­ben und Ver­bind­lich­kei­ten ein­zu­ge­hen (§ 14 Abs. 2 BGB). Eine nicht rechts­fä­hige GbR dient da­ge­gen nur der Aus­ge­stal­tung des Rechts­ver­hält­nis­ses der Ge­sell­schaf­ter un­ter­ein­an­der. Sie hat kein ei­ge­nes Ver­mö­gen (§ 740 BGB).

Die Ge­sell­schaf­ter hal­ten nur ih­ren Ge­sell­schafts­an­teil, also ihre Mit­glied­schaft. Die Rechte aus dem Ge­sell­schafts­ver­hält­nis sind nach § 711a BGB nicht über­trag­bar. Sie kön­nen also nicht von der Mit­glied­schaft ge­trennt und ge­son­dert auf Dritte über­tra­gen wer­den (sog. Ab­spal­tungs­ver­bot). Aus­ge­nom­men sind be­stimmte Ver­mö­gens­an­sprü­che. Dazu ge­hö­ren etwa der An­spruch auf den Ge­winnan­teil und der An­spruch auf das, was dem Ge­sell­schaf­ter bei der Aus­ein­an­der­set­zung zu­steht.

Im Un­ter­schied zur Bruch­teils­ge­mein­schaft (§§ 741 ff. BGB) ha­ben die Ge­sell­schaf­ter da­her kei­nen ei­ge­nen ide­el­len An­teil an den ein­zel­nen Ge­gen­stän­den des Ge­sell­schafts­ver­mö­gens. Bei der Bruch­teils­ge­mein­schaft steht da­ge­gen je­dem Teil­ha­ber ein rech­ne­ri­scher An­teil am ge­mein­sa­men Ge­gen­stand zu, über den er ver­fü­gen kann. Bei der Ge­sell­schaft ge­hö­ren die Ge­gen­stände al­lein der Ge­sell­schaft. Die Ge­sell­schaf­ter kön­nen über sie we­der ver­fü­gen, noch kön­nen sie de­ren Tei­lung ver­lan­gen. En­det die Ge­sell­schaft, wird sie ab­ge­wi­ckelt (Li­qui­da­tion). Schei­det ein Ge­sell­schaf­ter aus, er­hält er grund­sätz­lich eine Ab­fin­dung.

Ab­gren­zung zur ju­ris­ti­schen Per­son

Die rechts­fä­hige Per­so­nen­ge­sell­schaft steht der ju­ris­ti­schen Per­son da­mit sehr na­he. Es blei­ben aber we­sent­li­che Un­ter­schie­de:

  • Haf­tung: Bei der Per­so­nen­ge­sell­schaft haf­tet min­des­tens ein Ge­sell­schaf­ter per­sön­lich und un­be­schränkt für die Ver­bind­lich­kei­ten der Ge­sell­schaft. Bei der GbR und der OHG sind dies alle Ge­sell­schaf­ter (§ 721 BGB, § 126 HGB), bei der KG die Kom­ple­men­täre. Die ju­ris­ti­sche Per­son wirkt da­ge­gen als „Haf­tungs­schirm“: Grund­sätz­lich haf­tet nur ihr ei­ge­nes Ver­mö­gen.
  • Er­werb der Rechts­fä­hig­keit: Ju­ris­ti­sche Per­sonen er­lan­gen ihre Rechts­fä­hig­keit durch Ein­tra­gung oder Ge­neh­mi­gung. Die GbR ist da­ge­gen auch ohne Ein­tra­gung in das Ge­sell­schafts­re­gis­ter rechts­fä­hig.
  • Steu­er­li­che Be­hand­lung: Ju­ris­ti­sche Per­sonen un­ter­lie­gen der Kör­per­schaftsteu­er. Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften wer­den die Ge­winne grund­sätz­lich bei den Ge­sell­schaf­tern be­steu­ert.

Au­ßer­halb des Ge­sell­schafts­rechts gibt es die Rechts­zu­ord­nung „zur ge­sam­ten Hand“ wei­ter­hin als gel­ten­des Recht. Bei­spiele sind die Er­ben­ge­mein­schaft im Erbrecht (§ 2032 Abs. 1 BGB) und die Gü­ter­ge­mein­schaft im Fa­mi­li­en­recht (§ 1419 BGB). Diese Ge­samt­handsge­mein­schaf­ten sind nicht rechts­fä­hig und un­ter­schied­lich aus­ge­stal­tet. Ein Mit­erbe kann über sei­nen An­teil am Nach­lass ins­ge­samt ver­fü­gen (§ 2033 Abs. 1 BGB). Über sei­nen An­teil an ein­zel­nen Nach­lass­ge­gen­stän­den kann er da­ge­gen nicht ver­fü­gen (§ 2033 Abs. 2 BGB). Ein Ehe­gatte kann bei der Gü­ter­ge­mein­schaft we­der über sei­nen An­teil am Ge­samt­gut noch über sei­nen An­teil an ein­zel­nen Ge­gen­stän­den des Ge­samt­guts ver­fü­gen. Er kann auch keine Tei­lung ver­lan­gen (§ 1419 Abs. 1 BGB).

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