Universität Passau Universität Passau Lernplattform JuraLehreinheiten
Seite von · 3 Min. · noch 123 Min. im Kapitel
Willkommen! Sie lesen als Gast. Melden Sie sich an, damit wir Ihren Lesestand speichern und Sie Lesezeichen setzen, Seiten bewerten und Anmerkungen schreiben können.

2. Was be­grün­det die Treue­pflicht der Ge­sell­schaf­ter?

Kon­troll­frage zur Treue­pflicht

Selbst­kon­trol­l­auf­ga­be:

Wor­auf be­ruht die Treue­pflicht der Ge­sell­schaf­ter? Wem ge­gen­über be­steht sie, und wo­von hängt ihre Stärke ab?
Ant­wort (bitte ankli­cken)

Grund­la­ge: Wie die Treue­pflicht dog­ma­tisch, also rechts­sys­te­ma­tisch, ge­nau zu be­grün­den ist, ist um­strit­ten. Im Kern be­ruht sie auf dem Ge­sell­schafts­ver­hält­nis selbst. Die Ge­sell­schaf­ter schlie­ßen sich durch den Ge­sell­schafts­ver­trag zu­sam­men, um einen ge­mein­sa­men Zweck zu för­dern (für die GbR § 705 Abs. 1 BGB). Je­der Ge­sell­schaf­ter kann durch sein Ver­hal­ten auf die Ge­sell­schaft ein­wir­ken und da­mit auch die In­ter­es­sen der Mit­ge­sell­schaf­ter be­rüh­ren. Wer sich auf eine sol­che Ver­bin­dung ein­lässt, ver­traut dar­auf, dass die an­de­ren diese Ein­fluss­mög­lich­keit nicht miss­brau­chen. Dar­aus folgt die Pflicht zur Rück­sicht­nah­me. Sie kön­nen die Treue­pflicht des­halb als be­son­dere Aus­prä­gung von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) ver­ste­hen.

In­halt: Die Ge­sell­schaf­ter müs­sen al­les un­ter­las­sen, was den In­ter­es­sen der Ge­sell­schaft zu­wi­der­läuft. Au­ßer­dem müs­sen sie den Ge­sell­schafts­zweck för­dern, so­weit ih­nen dies zu­mut­bar ist.

Adres­sa­ten: Die Treue­pflicht be­steht ge­gen­über der Ge­sell­schaft und ge­gen­über den Mit­ge­sell­schaf­tern.

In­ten­si­tät: Die Treue­pflicht be­steht in je­der Ge­sell­schafts­form, ist aber un­ter­schied­lich stark. Je klei­ner der Ge­sell­schaf­ter­kreis und je stär­ker die Ge­sell­schaft von der per­sön­li­chen Mit­ar­beit der ein­zel­nen Ge­sell­schaf­ter ab­hängt, de­sto in­ten­si­ver ist sie. In großen Ge­sell­schaf­ten mit vie­len Ge­sell­schaf­tern, etwa ei­ner bör­sen­no­tier­ten Ak­ti­en­ge­sell­schaft, ist sie in der Re­gel schwä­cher aus­ge­prägt.

Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften ist die Treue­pflicht ty­pi­scher­weise be­son­ders in­ten­siv. Diese Ge­sell­schaf­ten sind meist per­sön­lich ge­prägt. Zu­dem haf­ten ihre Ge­sell­schaf­ter per­sön­lich und un­be­schränkt für die Ver­bind­lich­kei­ten der Ge­sell­schaft (für die GbR § 721 BGB, für die OHG § 126 HGB, je­weils in der seit dem 1.1.2024 gel­ten­den Fas­sung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes, Mo­PeG). Wer so stark vom Ver­hal­ten der an­de­ren ab­hängt, ist auf de­ren Rück­sicht­nahme be­son­ders an­ge­wie­sen.

Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).

Fragen oder Anregungen zu dieser Seite? Nach der Anmeldung können Sie Anmerkungen schreiben und die Seite bewerten.


Gesellschaftsrecht lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International.