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D. Pro­blem­schwer­punkte im Ge­sell­schafts­recht

II. Grun­dent­schei­dun­gen des Ge­sell­schafts­rechts

Das Ge­sell­schafts­recht be­ruht auf ei­ni­gen Grun­dent­schei­dun­gen. Wenn Sie diese ken­nen, kön­nen Sie die ein­zel­nen Ge­sell­schafts­for­men leich­ter ein­ord­nen:

  • Ty­pen­zwang: Wie im Sa­chen­recht gilt auch im Ge­sell­schafts­recht ein Ty­pen­zwang. Die Grün­der müs­sen eine der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Ge­sell­schafts­for­men (Rechts­for­men) wäh­len, etwa die Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR), die of­fene Han­dels­ge­sell­schaft (OHG), die Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG), die GmbH oder die Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG). Ei­ge­ne, im Ge­setz nicht vor­ge­se­hene Rechts­for­men kön­nen sie nicht schaf­fen. Man spricht des­halb vom „nu­me­rus clau­sus der Ge­sell­schafts­for­men“ (la­tei­nisch für „ge­schlos­sene Zahl“). Wer sich mit an­de­ren zu ei­nem ge­mein­sa­men Zweck zu­sam­menschließt, ohne be­wusst eine Rechts­form zu wäh­len, be­wegt sich trotz­dem nicht im rechts­freien Raum. Das Ge­setz ord­net den Zu­sam­menschluss ei­ner pas­sen­den Rechts­form zu. In der Re­gel ist das die GbR als Grund­form der Per­so­nen­ge­sell­schaften. Be­treibt die Ge­sell­schaft ein Han­dels­ge­werbe, ist es die OHG.

  • Ver­trags­frei­heit bei der Aus­ge­stal­tung: An­ders als im Sa­chen­recht dür­fen die Ge­sell­schaf­ter den In­halt ih­rer Ge­sell­schaft weit­ge­hend selbst re­geln. Viele ge­setz­li­che Vor­schrif­ten sind dis­po­si­tiv. Das be­deu­tet: Sie gel­ten nur, so­weit der Ge­sell­schafts­ver­trag oder die Sat­zung nichts an­de­res be­stimmt. Das be­trifft vor al­lem das Recht der GbR und das Ver­einsrecht. Daran hat auch das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts (Mo­PeG) nichts ge­än­dert, das seit dem 1.1.2024 gilt. Die Ver­trags­frei­heit en­det dort, wo Gläu­bi­ger, An­le­ger und Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter ge­schützt wer­den müs­sen.

    Ganz an­ders ist die Lage im Ak­tienrecht. Dort gilt der Grund­satz der Sat­zungs­strenge (§ 23 Abs. 5 AktG): Die Sat­zung darf von den Vor­schrif­ten des Ak­tienge­set­zes nur ab­wei­chen, wenn das Ge­setz dies aus­drück­lich zu­lässt. Er­gän­zende Be­stim­mun­gen sind nur zu­läs­sig, so­weit das Ge­setz keine ab­schlie­ßende Re­ge­lung ent­hält. Das Ak­tienrecht ist also weit­ge­hend zwin­gend, die Ge­stal­tungs­frei­heit der Ge­sell­schaf­ter ist stark ein­ge­schränkt. Das schützt vor al­lem die An­le­ger. Wer Ak­tien er­wirbt, soll sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass jede Ak­ti­en­ge­sell­schaft im We­sent­li­chen gleich auf­ge­baut ist.

  • Zweck: Grund­sätz­lich kön­nen Ge­sell­schaf­ten zu je­dem er­laub­ten Zweck ge­grün­det wer­den. Für ei­nige Rechts­for­men schreibt das Ge­setz aber einen be­stimm­ten Zweck vor oder schließt be­stimmte Zwe­cke aus:

    • Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten (OHG und KG): Sie sind grund­sätz­lich auf den Be­trieb ei­nes Han­dels­ge­werbes aus­ge­rich­tet. Da­ne­ben ste­hen sie un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auch klein­ge­werb­li­chen und ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Ge­sell­schaf­ten of­fen, wenn diese in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Seit dem Mo­PeG gilt das auch für frei­be­ruf­li­che Tä­tig­kei­ten, so­weit das je­wei­lige Be­rufs­recht dies zu­lässt.

    • Eu­ro­päi­sche wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen­ver­ei­ni­gung (EWIV): Sie darf nur eine Hilf­s­tä­tig­keit aus­üben. Sie soll die wirt­schaft­li­che Tä­tig­keit ih­rer Mit­glie­der er­leich­tern oder för­dern, aber keine ei­ge­nen Ge­winne er­zie­len.

    • Ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein: Sein Zweck darf nicht auf einen wirt­schaft­li­chen Ge­schäfts­be­trieb ge­rich­tet sein (so­ge­nann­ter Ideal­ver­ein).

    • Ge­nos­sen­schaft: Sie muss ihre Mit­glie­der för­dern, etwa de­ren Er­werb oder Wirt­schaft oder de­ren so­ziale oder kul­tu­relle Be­lange (so­ge­nann­ter För­der­zweck).

  • Schutz der Ge­sell­schafts­gläu­bi­ger: Ein zen­tra­les Pro­blem ist der Schutz der­je­ni­gen, de­nen die Ge­sell­schaft et­was schul­det. Das Ge­setz löst es je nach Rechts­form un­ter­schied­lich. Bei den Per­so­nen­ge­sell­schaften (etwa GbR und OHG) haf­ten die Ge­sell­schaf­ter grund­sätz­lich per­sön­lich und un­be­schränkt mit ih­rem ei­ge­nen Ver­mö­gen. Bei der KG gilt das nur für die Kom­ple­men­täre. Die Kom­man­di­tisten haf­ten nur be­schränkt. Bei den Ka­pi­tal­ge­sell­schaften (GmbH und AG) haf­tet den Gläu­bi­gern grund­sätz­lich nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen. Zum Aus­gleich ist die­ses Ver­mö­gen be­son­ders ge­schützt, vor al­lem durch Re­geln über die Auf­brin­gung und Er­hal­tung des Ka­pi­tals.

  • Schutz der Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter: Schließ­lich müs­sen in­ner­halb der Ge­sell­schaft die Min­der­heits­ge­sell­schaf­ter be­son­ders ge­schützt wer­den. In vie­len Ge­sell­schaf­ten ent­schei­det die Mehr­heit, ent­we­der kraft Ge­set­zes (etwa in der Haupt­ver­samm­lung der AG) oder weil der Ge­sell­schafts­ver­trag es so vor­sieht. Die Min­der­heit braucht da­her Schutz da­vor, von der Mehr­heit be­nach­tei­ligt zu wer­den. Die­sem Schutz die­nen etwa die ge­sell­schafts­recht­li­che Treue­pflicht, der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz so­wie In­for­ma­ti­ons- und An­fech­tungs­rech­te.

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