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A. Was ist ei­gent­lich Ge­sell­schafts­recht?

II. Wel­che prak­ti­sche Be­deu­tung hat das Ge­sell­schafts­recht?

Bei Per­so­nen­ge­sell­schaften haf­ten die Ge­sell­schaf­ter grund­sätz­lich per­sön­lich für die Schul­den der Ge­sell­schaft. Bei­spiele sind die Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR), die of­fene Han­dels­ge­sell­schaft (OHG) und die Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG). Wie viele Per­so­nen­ge­sell­schaften es gibt, lässt sich nicht ge­nau fest­stel­len. Sie sind näm­lich nur teil­weise in Re­gis­tern er­fasst:

  • OHG und KG müs­sen in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den.

  • Für die GbR gibt es seit dem 1.1.2024 ein ei­ge­nes Ge­sell­schafts­re­gis­ter (§ 707 BGB). Es wurde durch das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts (Mo­PeG) ein­ge­führt. Die Ein­tra­gung ist frei­wil­lig. Eine ein­ge­tra­gene GbR führt den Zu­satz „ein­ge­tra­gene Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts“ oder „eGbR“. In be­stimm­ten Fäl­len kommt eine GbR an der Ein­tra­gung prak­tisch nicht vor­bei, etwa wenn sie ein Grund­stück er­wer­ben will.

  • Die meis­ten GbR blei­ben aber un­re­gis­triert, zum Bei­spiel Fahr­ge­mein­schaf­ten, Tipp­ge­mein­schaf­ten oder viele kleine Zu­sam­menschlüsse von Frei­be­ruf­lern. Das Ge­sell­schafts­re­gis­ter er­fasst da­her nur einen klei­nen Teil al­ler GbR.

Ka­pi­tal­ge­sell­schaften

Ka­pi­tal­ge­sell­schaften sind ju­ris­ti­sche Per­sonen. Für ihre Schul­den haf­tet grund­sätz­lich nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen, nicht das Pri­vat­ver­mö­gen der Ge­sell­schaf­ter. Ka­pi­tal­ge­sell­schaften müs­sen in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den. Des­halb las­sen sie sich gut zäh­len: In Deutsch­land gibt es deut­lich mehr als eine Mil­lion Ka­pi­tal­ge­sell­schaften. Die ein­zel­nen Rechts­for­men sind aber sehr un­ter­schied­lich ver­brei­tet:

  • Zah­len­mä­ßig am be­deu­tends­ten ist die Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung (GmbH). In den deut­schen Han­dels­re­gis­tern sind weit über eine Mil­lion GmbH ein­ge­tra­gen. Dazu zählt auch die Un­ter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be­schränkt). Sie ist keine ei­gene Rechts­form, son­dern eine Va­ri­ante der GmbH, die mit sehr ge­rin­gem Stamm­ka­pi­tal ge­grün­det wer­den kann (§ 5a GmbHG).

  • Die Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG) spielt zah­len­mä­ßig nur eine ge­ringe Rol­le. Es gibt deut­lich we­ni­ger als 20.000 AG. Nur ei­nige Hun­dert da­von sind bör­sen­no­tiert, ihre Ak­tien wer­den also an ei­nem or­ga­ni­sier­ten Markt ge­han­delt (§ 3 Abs. 2 AktG).

  • Kaum ver­brei­tet ist die Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Ak­tien (KGaA). Sie ist eine Misch­form aus AG und KG: Min­des­tens ein Ge­sell­schaf­ter haf­tet per­sön­lich (Kom­ple­men­tär), die üb­ri­gen sind am in Ak­tien zer­leg­ten Grund­ka­pi­tal be­tei­ligt (Kom­man­di­tak­tio­näre). Per­sön­lich haf­ten­der Ge­sell­schaf­ter kann auch eine ju­ris­ti­sche Per­son sein. Dann spricht man zum Bei­spiel von ei­ner „AG & Co. KGaA“ oder ei­ner „GmbH & Co. KGaA“. Auch das sind KGaA. In Deutsch­land gibt es nur ei­nige Hun­dert KGaA.

  • Die So­cie­tas Eu­ro­paea (SE), die „Eu­ro­päi­sche Ak­ti­en­ge­sell­schaft“, be­ruht auf ei­ner EU-Ver­ord­nung. Zah­len­mä­ßig ist sie eine Rander­schei­nung. Ei­nige große Un­ter­neh­men ha­ben sie aber ge­wählt.

Und die bri­ti­sche Li­mi­ted?

Bis zum Br­e­xit grün­de­ten viele Un­ter­neh­mer in Deutsch­land eine bri­ti­sche Pri­vate Com­pany Li­mi­ted by Sha­res („Li­mi­ted“). Sie konnte ohne nen­nens­wer­tes Min­dest­ka­pi­tal ge­grün­det wer­den. Ihre Be­deu­tung ging be­reits zu­rück, als 2008 die Un­ter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be­schränkt) als güns­tige Al­ter­na­tive ein­ge­führt wur­de.

Seit dem Ende der Über­gangs­phase des Br­e­xit am 31.12.2020 gilt für die Li­mi­ted die Nie­der­las­sungs­frei­heit (Art. 49, 54 AEUV) nicht mehr. Hat eine Li­mi­ted ih­ren tat­säch­li­chen Ver­wal­tungs­sitz in Deutsch­land, wird sie nach der in Deutsch­land für Ge­sell­schaf­ten aus Dritt­staa­ten an­ge­wand­ten Sitz­theo­rie nicht mehr als Ka­pi­tal­ge­sell­schaft an­er­kannt. Nach der Sitz­theo­rie rich­tet sich das an­wend­bare Ge­sell­schafts­recht nach dem Ort der tat­säch­li­chen Ver­wal­tung. Die Li­mi­ted wird dann als Per­so­nen­ge­sell­schaft be­han­delt, also als GbR oder OHG. Hat sie nur einen Ge­sell­schaf­ter, gilt sie als Ein­zel­un­ter­neh­men. Die Fol­ge: Die Ge­sell­schaf­ter haf­ten per­sön­lich. Als Rechts­form für in Deutsch­land tä­tige Un­ter­neh­men hat die Li­mi­ted des­halb kaum noch prak­ti­sche Be­deu­tung.

Wirt­schaft­li­che Be­deu­tung der AG

Wirt­schaft­lich ist die AG da­ge­gen enorm be­deut­sam. Die meis­ten Großun­ter­neh­men wer­den als AG ge­führt, teil­weise auch als SE oder KGaA. Der Grund: Nur Ak­tien kön­nen an der Börse ge­han­delt wer­den, GmbH-An­teile da­ge­gen nicht. Über die Börse kann sich das Un­ter­neh­men Ka­pi­tal von sehr vie­len An­le­gern be­schaf­fen.

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