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III. Wo­von sind Ge­sell­schaf­ten ab­zu­gren­zen?

3. Was ver­bin­det Ge­sell­schafts­recht und Erbrecht?

Eine Ge­sell­schaft setzt einen frei­wil­li­gen Zu­sam­menschluss vor­aus. Er be­ruht auf ei­nem Rechts­ge­schäft der Be­tei­lig­ten, dem Ge­sell­schafts­ver­trag. Daran fehlt es bei der Er­ben­ge­mein­schaft.

Sie ent­steht ent­we­der kraft Ge­set­zes (ge­setz­li­che Erb­fol­ge) oder durch ein Rechts­ge­schäft ei­nes Drit­ten, näm­lich des Erb­las­sers (Tes­ta­ment oder Erb­ver­trag). Die Mit­er­ben müs­sen sich also nicht über einen ge­mein­sa­men Zweck ei­ni­gen. Sie wer­den ohne ei­ge­nes Zu­tun Mit­glie­der der Ge­mein­schaft.

Ge­mein­sam­keit: ge­bun­de­nes Ver­mö­gen

Die Er­ben­ge­mein­schaft ist eine Ge­samt­handsge­mein­schaft. Das be­deu­tet: Der Nach­lass steht den Mit­er­ben ge­mein­sam zu. Kei­ner von ih­nen hat an den ein­zel­nen Ge­gen­stän­den einen ei­ge­nen Bruch­teil. Die Er­ben­ge­mein­schaft ist also keine Bruch­teils­ge­mein­schaft (§§ 741 ff. BGB). Dort kann je­der Teil­ha­ber über sei­nen An­teil an ei­nem Ge­gen­stand ver­fü­gen (§ 747 Satz 1 BGB).

Für die Er­ben­ge­mein­schaft folgt dar­aus:

  • Je­der Mit­erbe kann über sei­nen An­teil am Nach­lass als Gan­zes (den Erb­teil) ver­fü­gen. Der Ver­trag be­darf der no­ta­ri­el­len Be­ur­kun­dung (§ 2033 Abs. 1 BGB).
  • Über sei­nen An­teil an ein­zel­nen Nach­lass­ge­gen­stän­den kann ein Mit­erbe nicht ver­fü­gen (§ 2033 Abs. 2 BGB).
  • Über einen Nach­lass­ge­gen­stand kön­nen die Er­ben nur ge­mein­schaft­lich ver­fü­gen (§ 2040 Abs. 1 BGB).

Bis Ende 2023 ver­stand man auch die Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) als Ge­samt­hand. Des­halb wur­den beide Ge­mein­schaf­ten oft ne­ben­ein­an­der­ge­stellt. Seit dem In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts (Mo­PeG) am 1.1.2024 gilt für die rechts­fä­hige GbR et­was an­de­res: Ihr Ver­mö­gen ge­hört der Ge­sell­schaft selbst (§ 713 BGB), nicht den Ge­sell­schaf­tern zur ge­sam­ten Hand.

Eine Ge­mein­sam­keit bleibt: We­der ein Mit­erbe noch ein Ge­sell­schaf­ter kann al­lein über ein­zelne Ge­gen­stände des ge­mein­sa­men Ver­mö­gens ver­fü­gen. Über­trag­bar ist nur die Be­tei­li­gung als Gan­zes, also der Erb­teil oder der Ge­sell­schafts­an­teil. Die Über­tra­gung ei­nes Ge­sell­schafts­an­teils be­darf al­ler­dings der Zu­stim­mung der an­de­ren Ge­sell­schaf­ter (§ 711 Abs. 1 BGB).

Un­ter­schiede

  • Zweck und Dau­er: Die Er­ben­ge­mein­schaft ist nach dem ge­setz­li­chen Leit­bild nicht auf Dauer an­ge­legt. Sie ist auf ihre Aus­ein­an­der­set­zung ge­rich­tet, also auf die Ver­tei­lung des Nach­las­ses. Je­der Mit­erbe kann die Aus­ein­an­der­set­zung grund­sätz­lich je­der­zeit ver­lan­gen (§ 2042 Abs. 1 BGB; Aus­nah­men in §§ 2043 bis 2045 BGB). Die GbR dient da­ge­gen der För­de­rung ei­nes ge­mein­sa­men Zwecks.
  • Ge­stal­tungs­spiel­raum: Bei der GbR be­stim­men vor al­lem die Ge­sell­schaf­ter durch den Ge­sell­schafts­ver­trag, wer die Ge­schäfte führt und die Ge­sell­schaft ver­tritt. Bei der Er­ben­ge­mein­schaft gibt das Ge­setz die Re­geln für Ver­wal­tung und Ver­fü­gung vor (§§ 2038, 2040 BGB). Von ih­nen kön­nen die Mit­er­ben nur ein­ge­schränkt ab­wei­chen.
  • Rechts­fä­hig­keit: Die GbR ist rechts­fä­hig, wenn sie nach dem ge­mein­sa­men Wil­len der Ge­sell­schaf­ter am Rechts­ver­kehr teil­neh­men soll (§ 705 Abs. 2 BGB). Der Er­ben­ge­mein­schaft spricht die Recht­spre­chung we­gen der ge­nann­ten Un­ter­schiede keine Rechts­fä­hig­keit zu. Das Mo­PeG hat daran nichts ge­än­dert. Trä­ger der Rechte und Pflich­ten sind die Mit­er­ben in ih­rer ge­samt­hän­de­ri­schen Ver­bun­den­heit.

Wenn Sie äl­tere Li­te­ra­tur oder Recht­spre­chung zur GbR le­sen, ach­ten Sie auf den Rechts­stand. Aus­sa­gen zur GbR als Ge­samt­hand be­zie­hen sich auf die Rechts­lage vor dem 1.1.2024. Für die Er­ben­ge­mein­schaft gel­ten sie wei­ter­hin.

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