Universität Passau Universität Passau Lernplattform JuraLehreinheiten
Seite von · 2 Min. · noch 15 Min. im Kapitel
Willkommen! Sie lesen als Gast. Melden Sie sich an, damit wir Ihren Lesestand speichern und Sie Lesezeichen setzen, Seiten bewerten und Anmerkungen schreiben können.

E. Was ist ein "Un­ter­neh­mens­bei­tritt" i.S.d. § 28 HGB?

II. Fin­det § 28 HGB auf Klein­ge­wer­be­trei­bende und Frei­be­ruf­ler An­wen­dung?

Wäh­rend die An­wen­dung von § 25 Abs. 1 S. 1 HGB we­gen der An­knüp­fung an die "Firma" über­wie­gend ab­ge­lehnt wird, knüpft § 28 Abs. 1 S. 1 HGB gar nicht erst an diese an. Es ist vor die­sem Hin­ter­grund um­strit­ten, ob die Re­ge­lung ent­spre­chend für den Bei­tritt zu ei­nem Un­ter­neh­men gilt, durch den keine Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft iSv §§ 105 ff. HGB, son­dern eine ein­fa­che Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts iSv § 705 BGB ent­steht.

Für eine Ana­lo­gie spricht, dass nach heute herr­schen­der Auf­fas­sung § 130 HGB ent­spre­chende An­wen­dung auf die BGB-Ge­sell­schaft fin­det. Ein Bei­tre­ten­der werde also bei be­ste­hen­der Ge­sell­schaft nicht als schutz­wür­di­ger er­ach­tet als die Ge­sell­schafts­gläu­bi­ger – warum soll also bei der Neu­grün­dung ei­ner GbR durch Bei­tritt zu ei­nem frü­he­ren Ein­zel­un­ter­neh­mer et­was an­de­res gel­ten?

Dem wird von der noch herr­schen­den Mei­nung ent­ge­gen­ge­hal­ten, dass der Ge­setz­ge­ber die Pro­ble­ma­tik kann­te, aber trotz­dem in über 100 Jah­ren keine all­ge­mei­ne, für alle Un­ter­neh­men gel­tende Re­ge­lung ge­schaf­fen hat. Für eine Lücken­schlie­ßung im Wege der Ana­lo­gie fehle es also an ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungs­lücke. Dar­über hin­aus un­ter­scheide sich § 28 HGB er­heb­lich von § 130 HGB, da der Rechts­trä­ger des Un­ter­neh­mens aus­ge­tauscht werde (Ein­zel­per­son vor­her, Ge­sell­schaft spä­ter) – bei § 130 HGB aber vor­her wie nach­her die OHG Schuld­ne­rin blei­be. Da­her sei § 130 HGB nur ein Aus­fluss der Rechts­fä­hig­keit, wäh­rend § 28 HGB der Über­tra­gung im Sinne von § 25 HGB deut­lich nä­her stün­de. § 25 HGB fin­det aber auf Nicht­kauf­leute ge­rade keine An­wen­dung (s.o.).

Der BGH hat in ei­ner Ent­schei­dung die Ana­lo­gie hin­sicht­lich der Haf­tung ei­ner BGB-Ge­sell­schaft für vor de­ren Grün­dung er­folgte Fehl­be­ra­tung durch einen frü­he­ren Ein­zelan­walt, dem ein neuer So­zius bei­ge­tre­ten ist, ab­ge­lehnt. Dies stützte er un­ter an­de­rem auf § 8 Abs. 2 PartGG. Eine all­ge­meine Aus­sage zur An­wend­bar­keit hat er je­doch bis­lang nicht ge­trof­fen.

Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).

Fragen oder Anregungen zu dieser Seite? Nach der Anmeldung können Sie Anmerkungen schreiben und die Seite bewerten.


Grundzüge des Handelsrechts lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International.