Universität Passau Universität Passau Lernplattform JuraLehreinheiten
Seite von · 2 Min. · noch 23 Min. im Kapitel
Willkommen! Sie lesen als Gast. Melden Sie sich an, damit wir Ihren Lesestand speichern und Sie Lesezeichen setzen, Seiten bewerten und Anmerkungen schreiben können.

C. Was ist ein "Wi­der­ruf" (§ 355 BGB)?

IV. Wie be­rech­net man die Wi­der­rufsfrist?

Nach § 355 Abs. 2 S. 1 BGB be­trägt die Wi­der­rufsfrist 14 Tage (nicht: 2 Wo­chen!). Die Be­rech­nung rich­tet sich also nach § 187 Abs. 1 BGB iVm § 188 Abs. 2 BGB. Für den Be­ginn ist zu dif­fe­ren­zie­ren:

  • Für Wi­der­rufsrechte nach § 312g BGB gel­ten vor­ran­gig § 356 Abs. 2 bis Abs. 4 BGB. Be­son­dere Be­deu­tung hat da­bei § 356 Abs. 2 BGB: Bei ei­nem Ver­brauchs­gü­ter­kauf be­ginnt die Frist nicht mit Ver­tragsschluss, son­dern nach § 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB mit Über­gabe der letz­ten Ware aus ei­ner Be­stel­lung an den Ver­brau­cher oder ei­ner von die­sem be­nann­ten Hilfs­per­son (aber nicht der Trans­port­per­son, also etwa der Post). Maß­geb­lich ist also we­der der Zu­gang (§ 130 BGB) noch der An­nah­me­ver­zug (§ 293 BGB) - ent­schei­dend ist die tat­säch­li­che Be­sitzer­lan­gung, so dass die Ware ge­prüft wer­den kann. Dem­ge­gen­über ist nach § 356 Abs. 2 Nr. 2 BGB für di­gi­tale In­hal­te, Was­ser, Gas, Strom und Fern­wärme der Ver­tragsschluss maß­geb­lich.
  • Bei Teil­zeit­wohn­rech­te­ver­trä­gen be­ginnt die Wi­der­rufsfrist mit Ver­tragsschluss oder so­gar mit ei­nem Vor­ver­trags­schluss (§ 356a Abs. 2 S. 1 BGB). Für Ver­brau­cherdar­le­hens­ver­träge ver­schiebt § 356b Abs. 3 BGB den frü­hest mög­li­chen Frist­be­ginn auf den Zeit­punkt der Über­gabe ei­ner Ab­schrift des Ver­trages (§ 494 Abs. 7 BGB), ähn­lich ver­la­gert § 356a Abs. 3 BGB den Frist­be­ginn bei Teil­zeit­wohn­rech­te­ver­trä­gen bis die Wi­der­rufsbe­leh­rung in deut­scher Spra­che über­las­sen wurde (§ 356a Abs. 3 BGB).
  • Ge­ne­rell soll die Frist nicht vor ord­nungs­ge­mä­ßer Be­leh­rung und In­for­ma­tion be­gin­nen, vgl. etwa § 356 Abs. 3 S. 1 BGB. Auch ohne das Nach­ho­len ei­ner Be­leh­rung oder In­for­ma­tion er­lischt das Wi­der­rufsrecht nach be­stimm­ten Höchst­fris­ten: Bei au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­nen und Fern­ab­satz­ver­trä­gen er­lischt das Wi­der­rufsrecht bei­spiels­weise ge­mäß § 356 Abs. 3 S. 2 BGB spä­tes­tens 12 Mo­nate und 14 Tage nach Lie­fe­rung bzw. Ver­tragsschluss (§ 356 Abs. 2 BGB, § 355 Abs. 2 S. 2 BGB). Ähn­li­che Frist­re­ge­lun­gen zu an­de­ren wi­der­ruf­li­chen Ver­trä­gen fin­den sich in den §§ 356a ff. BGB.
  • Nur wenn keine die­ser Aus­nah­men ein­greift, kann auf § 355 Abs. 2 S. 2 BGB zu­rück­ge­grif­fen wer­den: Da­nach be­ginnt die Frist mit Ver­tragsschluss. Ab­wei­chende Ver­ein­ba­run­gen zu­guns­ten (nicht: zu­las­ten, § 361 Abs. 2 S. 1 BGB) des Ver­brau­chers sind aber zu­läs­sig.

Las­sen Sie sich nicht ver­wir­ren: Auch wenn die Frist (etwa man­gels Be­leh­rung) noch gar nicht be­gon­nen hat, darf wi­der­ru­fen wer­den! Der Frist­be­ginn ist nur für die Be­rech­nung des Fris­ten­des maß­geb­lich.

Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).

Fragen oder Anregungen zu dieser Seite? Nach der Anmeldung können Sie Anmerkungen schreiben und die Seite bewerten.


Grundkurs Privatrecht (Stand 2026) lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International.