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V. Wie er­folgt der Min­der­hei­ten­schutz?

Fall: Der schwie­rige Va­ter

Die A-GmbH be­treibt eine Groß­tank­stelle mit Re­pa­ra­tur­werk­stät­te. An der A-GmbH sind A mit 10 % und des­sen Söhne S1 und S2 mit je­weils 45 % be­tei­ligt. Im De­zem­ber 2008 be­ruft S1 als Ge­schäfts­füh­rer der A-GmbH ord­nungs­ge­mäß eine Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung ein, auf der die Ab­spal­tung der Re­pa­ra­tur­werk­stätte auf die B-GmbH, des­sen Al­lein­ge­sell­schaf­ter B ist, be­schlos­sen wer­den soll. S1 und S2 stim­men für die Ab­spal­tung. A ver­wei­gert je­doch seine Zu­stim­mung. Aus dem Ab­spal­tungs­ver­trag hat er ent­nom­men, dass im Ge­sell­schafts­ver­trag der B-GmbH fol­gende Re­ge­lung gilt:

Alle Ge­sell­schaf­ter sind auf Auf­for­de­rung des Ge­schäfts­füh­rers ver­pflich­tet, der Ge­sell­schaft ein zins­lo­ses Dar­le­hen i.H.v. min­des­tens 50.000 € für die Zeit von drei Jah­ren zu ge­wäh­ren.

Hat die A-GmbH der Ab­spal­tung auf die-B-GmbH wirk­sam zu­ge­stimmt?

Lö­sungs­vor­schlag

I. Zu­stim­mungs­er­for­der­nis der A-GmbH

Die Ab­spal­tung ist nur wirk­sam, wenn die Ge­sell­schaf­ter der A-GmbH die­ser zu­ge­stimmt ha­ben (§ 125 S. 1 UmwG i.V.m. § 13 Abs. 1 S. 1 UmwG). Nach § 13 Abs. 1 S. 2 UmwG kann ein sol­cher Spal­tungebe­schluss nur in ei­ner Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung ge­fasst wer­den. Im De­zem­ber hatte der Ge­schäfts­füh­rer S1 zu ei­ner sol­chen ord­nungs­ge­mäß ein­be­ru­fen.

II. Er­for­der­li­che Mehr­heit

Die er­fo­der­li­che Mehr­heit des Zu­stim­mungs­be­schlus­ses be­stimmt sich nach der Rechts­form des be­tei­lig­ten Rechts­trä­gers. Bei der A-GmbH ist gem. § 125 S. 1 UmwG i.V.m. § 50 Abs. 1 S. 1 UmwG eine Mehr­heit von 3/4 der ab­ge­ge­be­nen Stim­men er­for­der­lich.

S1 und S2 ha­ben mit zu­sam­men 90% der Stim­men der Ab­spal­tung zu­ge­stimmt.

Da­mit ist die er­for­der­li­che Mehr­heit ein­ge­hal­ten.

III. Zu­sätz­li­che Zu­stim­mung des A er­for­der­lich?

Nur A hat nicht der Ab­spal­tung zu­ge­stimmt. Frag­lich ist, ob die Zu­stim­mung von S1 und S2 für die Wirk­sam­keit der Ab­spal­tung aus­reicht oder auch eine Zu­stim­mung des A er­for­der­lich ist.

1. Zu­stim­mung des A nach § 13 Abs. 2 UmwG?

Gem. § 125 S. 1 UmwG i.V.m. § 13 Abs. 2 UmwG be­darf der Spal­tungsbe­schluss zu sei­ner Wirk­sam­keit der Zu­stim­mung des A, wenn die Ab­tre­tung der An­teile der A-GmbH als über­tra­gen­der Rechts­trä­ger von sei­ner Ge­neh­mi­gung ab­hän­gig ist. Dies wäre z.B. der Fall, wenn im Ge­sell­schafts­ver­trag der A-GmbH eine Vin­ku­lie­rung nach § 15 Abs. 5 GmbHG ver­ein­bart wä­re. Dies ist je­doch nicht der Fall. So­mit ist die Zu­stim­mung des A nicht nach § 125 S. 1 UmwG i.V.m. § 13 Abs. 2 UmwG er­for­der­lich.

2. Zu­stim­mung des A nach § 50 Abs. 2 UmwG?

Gem. § 125 S. 1 UmwG i.V.m. § 50 Abs. 2 UmwG be­darf der Spal­tungsbe­schluss der über­tra­gen­den Ge­sell­schaft der Zu­stim­mung des A, wenn durch die Ab­spal­tung auf dem Ge­sell­schafts­ver­trag be­ru­hende Min­der­heits­rechte des A oder be­son­de­ren Rechte in der Ge­schäfts­füh­rung der Ge­sell­schaft, bei der Be­stel­lung der Ge­schäfts­füh­rer oder hin­sicht­lich ei­nes Vor­schlags­rechts für die Ge­schäfts­füh­rung be­ein­träch­tigt wer­den.

Dies ist im vor­lie­gen­den Fall je­doch nicht er­sich­tich.

Folg­lich ist die Zu­stim­mung des A nicht nach § 125 S. 1 UmwG i.V.m. § 50 Abs. 2 UmwG er­for­der­lich.

3. Zu­stim­mung des A nach § 53 Abs. 3 GmbHG?

Gem. § 53 GmbHG kann eine Ver­meh­rung der den Ge­sell­schaf­tern nach dem Ge­sell­schafts­ver­trag ob­lie­gen­den Leis­tun­gen nur mit Zu­stim­mung sämt­li­cher be­tei­lig­ter Ge­sell­schaf­ter be­schlos­sen wer­den.

a) An­wend­bar­keit des § 53 Abs. 3 GmbHG?

Das UmwG ent­hält in den §§ 46 ff. UmwG und § 138 ff. UmwG be­son­dere Re­ge­lun­gen für eine Spal­tung un­ter Be­tei­li­gung ei­ner GmbH. Zu­dem ist eine Zu­stim­mung ein­zel­ner Ge­sell­schaf­ter er­for­der­lich in den Fäl­len des § 13 Abs. 2 UmwG und § 50 Abs. 2 UmwG. Frag­lich ist, ob dann noch ein Rück­griff auf das GmbHG nö­tig und mög­lich ist.

Der Wort­laut des UmwG lässt je­doch nicht er­ken­nen, dass die Re­ge­lun­gen des UmwG bzgl. Zu­stim­mungs­er­for­der­nis­sen ab­schlie­ßend sein sol­len. Au­ßer­dem wür­den Ge­sell­schaf­tern sonst ge­gen ih­ren Wil­len zu­sätz­li­che Leis­tungs­pflich­ten auf­er­legt wer­den kön­nen.

So­mit ist § 53 GmbHG zum Schutz der Ge­sell­schaf­ter an­wend­bar.

b) Tat­be­stand des § 53 Abs. 3 GmbHG

Durch die Ab­spal­tung der Werk­statt wür­den A, S1 und S2 nach § 131 Abs. 1 Nr. 3 UmwG An­teile an der B-GmbH ge­währt. Sie wer­den da­durch Ge­sell­schaf­ter der B-GmbH.

Im Ge­sell­schafts­ver­trag der B-GmbH wer­den alle Ge­sell­schaf­ter ver­pflich­tet auf Auf­for­de­rung des Ge­schäfts­füh­rers, der Ge­sell­schaft ein zins­lo­ses Dar­le­hen i.H.v. min­des­tens 50.000 € für die Zeit von drei Jah­ren zu ge­wäh­ren. Dies gilt dann auch für A, S1 und S2. Folg­lich würde A durch die Ab­spal­tung eine Leis­tungs­pflicht auf­ge­drängt.

Da­mit be­darf der Zu­stim­mungs­be­schluss der A-GmbH gem. § 53 GmbHG auch der Zu­stim­mung des A.

A hat seine Zu­stim­mung je­doch ver­wei­gert.

IV. Er­geb­nis

So­mit hat die A-GmbH der Ab­spal­tung auf die-B-GmbH nicht wirk­sam zu­ge­stimmt.

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