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VI. Wie wer­den Gläu­bi­ger ge­schützt?

1. Fall: Der un­er­wünschte Kre­dit

Die M-AG stellt Au­to­mo­bile her. An­fang 2004 be­schließt der Vor­stand der M-AG, zur Er­hö­hung der Ef­fi­zi­enz und der Ge­winn­trans­pa­renz die Her­stel­lung von Sport- und Ge­län­de­wa­gen je­weils in ei­gen­stän­di­gen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten zu bün­deln. Dies soll durch Aus­glie­de­rung der bei­den Be­rei­che gem. §§ 123 ff. UmwG auf zwei be­reits be­ste­hende Toch­ter­ge­sell­schaf­ten der M-AG ge­sche­hen; die S-GmbH er­hält die Ak­tiva und Pas­siva für den Sport­wa­gen­be­reich und die G-GmbH für den Ge­län­de­wa­gen­be­reich. Die Ein­tra­gung der Aus­glie­de­run­gen in das Re­gis­ter der M-AG er­folgt am 30.08.2007. An­fang Mai 2008 ge­rät die M-AG auf­grund großer Ab­satz­pro­bleme bei den Mit­tel­klas­se-PKW in eine wirt­schaft­li­che Schief­la­ge. Die B-Bank ver­langt dar­auf­hin von der G-GmbH die Rück­zah­lung ei­nes der M-AG im Jahr 2003 ge­währ­ten und im April 2008 fäl­lig ge­wor­de­nen Kre­di­tes i.H.v. 500 Mio. €. Diese wen­det ein,

  • dass sie ers­tens keine ver­trag­li­che Be­zie­hung zu der B-Bank ha­be.

  • lm Üb­ri­gen sei der 500 Mio. €-Kre­dit zum Zeit­punkt der Aus­glie­de­rung nicht fäl­lig ge­we­sen.

  • Au­ßer­dem über­steige die Kre­dit­summe das tat­säch­lich auf sie über­ge­gan­gene Net­to­aus­glie­de­rungs­ver­mö­gen i.H.v. 250 Mio. € bei Wei­tem; B möge sich doch an die S-GmbH hal­ten, die im Wege der Aus­glie­de­rung ein Net­to­ver­mö­gen i.H.v, 750 Mio. € er­hal­ten ha­be.

Kann die B von der G-GmbH Rück­zah­lung des Dar­le­hens ver­lan­gen?

Lö­sungs­vor­schlag

Ein An­spruch der B ge­gen die G-GmbH auf Rück­zah­lung des Dar­le­hens könnte sich aus § 488 Abs. 1 BGB er­ge­ben.

I. Dann müsste ein wirk­sa­mer Dar­le­hens­ver­trag be­ste­hen. Die B hat mit der G-GmbH kei­nen Ver­trag ge­schlos­sen, son­dern nur mit der M-AG. Hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit die­ses Ver­tra­ges be­ste­hen keine Be­den­ken.

II. Die G-GmbH müsste für die Dar­le­hens­for­de­rung der B ge­gen die M-AG ein­ste­hen müs­sen.

Gem. § 133 Abs. 1 S. 1 UmwG haf­ten die an der Spal­tung be­tei­lig­ten Rechts­trä­ger für Ver­bind­lich­kei­ten des über­tra­gen­den Rechts­trä­gers, die vor dem Wirk­sam­wer­den der Spal­tung be­grün­det wor­den sind, als Ge­samt­schuld­ner (§ 431 BGB).

1. An Spal­tung be­tei­lig­ter Rechts­trä­ger

Die G-GmbH ist als über­neh­men­der Rechts­trä­ger an ei­ner Aus­glie­de­rung be­tei­ligt. Da­mit fällt sie nach § 133 Abs. 1 S. 1 UmwG in die Gruppe der haf­ten­den Ge­samt­schuld­ner.

2. Ver­bind­lich­keit der über­tra­gen­den Rechts­trä­gers

Die ge­samt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung be­zieht sich gem. § 133 Abs. 1 S. 1 UmwG auf eine Ver­bind­lich­keit des über­tra­gen­den Rechts­trä­gers.

B ver­langt die Rück­zah­lung des Dar­le­hens i.H.v. 500 Mio. €, wel­ches sie im Jahre 2003 der M-AG ge­währ­te. Die G-GmbH hat in Folge ei­ner Aus­glie­de­rung zwar nicht diese Ver­bind­lich­keit er­hal­ten, je­doch an­dere Ver­mö­gens­wer­te.

Da­mit ist die M-AG über­tra­gen­der Rechts­trä­ger und die Dar­le­hens­for­de­rung ent­spre­chend eine Ver­bind­lich­keit des über­tra­gen­den Rechts­trä­gers.

3. Be­grün­dung vor Wirk­sam­wer­den der Spal­tung

Gem. § 133 Abs. 1 S. 1 UmwG muss die Ver­bind­lich­keit vor Wirk­sam­wer­den der Spal­tung be­grün­det wor­den sein.

Die Dar­le­hens­for­de­rung wird mit Ab­schluss des Dar­le­hens­ver­tra­ges 2003 be­grün­det.

Eine Aus­glie­de­rung wird wirk­sam, so­bald sie beim über­tra­gen­den Rechts­trä­ger, also der M-AG, ein­ge­tra­gen ist, § 131 Abs. 1 UmwG. Die Ein­tra­gung er­folgte am 30.08.2007, wo­mit sie ihre Wir­kun­gen ent­fal­tet.

Die Dar­le­hens­for­de­rung ist da­mit vor dem Wirk­sam­wer­den der Spal­tung be­grün­det wor­den.

4. Frist

Gem. § 133 Abs. 3 UmwG haf­ten die­je­ni­gen Rechts­trä­ger, de­nen Ver­bind­lich­kei­ten nach § 133 Abs. 1 S. 1 UmwG im Spal­tungs-​ und Über­nah­me­ver­trag nicht zu­ge­wie­sen wor­den sind, für diese Ver­bind­lich­kei­ten nur, wenn sie vor Ab­lauf von fünf Jah­ren nach der Spal­tung fäl­lig und dar­aus An­sprü­che ge­gen sie in ei­ner in § 197 Abs. 1 Nr. 3 -5 BGB be­zeich­ne­ten Art fest­ge­stellt sind oder eine ge­richt­li­che oder be­hörd­li­che Voll­stre­ckungs­hand­lung vor­ge­nom­men oder be­an­tragt wird.

Das Dar­le­hen der B an die M-AG wurde im Wege der Aus­glie­de­rung nicht der G-GmbH zu­ge­wie­sen. Da­mit haf­tet die G-GmbH nicht un­be­grenzt ge­samt­schuld­ne­risch für diese Ver­bind­lich­keit, son­dern nur für fünf Jahre ab der Wirk­sam­keit der Spal­tung.

Die Spal­tung wurde am 30.08.2007 wirk­sam (s.o.). Da­mit haf­tet die G-GmbH bis zum 30.08.2012 für die Ver­bind­lich­keit mit. Die Nach­haf­tungs­frist ist so­mit noch nicht ab­ge­lau­fen.

Der Rück­zah­lungs­an­spruch müsste noch in ei­ner nach § 197 Abs. 1 Nr. 3 -5 BGB be­zeich­ne­ten Art fest­ge­stellt oder eine ge­richt­li­che oder be­hörd­li­che Voll­stre­ckungs­hand­lung vor­ge­nom­men oder be­an­tragt wer­den.

5. Er­for­der­nis der Fäl­lig­keit der Dar­le­hens­for­de­rung bei Aus­glie­de­rung?

Die G-GmbH wen­det ein, dass der 500 Mio. €-Kre­dit zum Zeit­punkt der Aus­glie­de­rung nicht fäl­lig ge­we­sen sei. Frag­lich ist, ob dies eine Mit­haf­tung der G-GmbH aus­schlie­ßen kann.

Sinn und Zweck des § 133 UmwG ist es die Gläu­bi­ger zu schüt­zen. Sie ha­ben keine Mög­lich­keit eine Spal­tung zu ver­hin­dern. Den­noch tref­fen sie die Fol­gen der Spal­tung: ihre For­de­run­gen wer­den auf an­dere (evtl. we­ni­ger ver­mö­gen­de) Rechts­trä­ger über­tra­gen oder die Haf­tungs­masse ver­rin­gert sich, in­dem Ver­mö­gen im Wege der Spal­tung auf an­dere Rechts­trä­ger über­tra­gen wird. § 133 UmwG soll die Gläu­bi­ger für fünf Jahre so stel­len als sei die Spal­tung noch nicht voll­zo­gen. Da­bei ist al­lein ent­schei­dend, wann die For­de­rung be­grün­det wor­den ist. Wurde sie vor der Wirk­sam­keit der Spal­tung be­grün­det, ist der Gläu­bi­ger schutz­wür­dig, da er nichts ge­gen die Spal­tung un­ter­neh­men konn­te. Wurde die For­de­rung nach Wirk­sam­keit der Spal­tung be­grün­det, ist der Gläu­bi­ger nicht schutz­wür­dig, da er von dem er­höh­ten Aus­fall­ri­siko und der ver­rin­ger­ten Haf­tungs­masse durch die Spal­tung Kennt­nis hat­te.

Auf die Fäl­lig­keit der For­de­rung kommt es da­mit nicht an.

Folg­lich kann sich die G-GmbH nicht dar­auf be­ru­fen, dass der Kre­dit zum Zeit­punkt der Aus­glie­de­rung noch nicht fäl­lig war.

6. Be­gren­zung der Mit­haf­tung?

Die G-GmbH wen­det ein, dass die Kre­dit­summe das tat­säch­lich auf sie über­ge­gan­gene Net­to­aus­glie­de­rungs­ver­mö­gen i.H.v. 250 Mio. € bei Wei­tem über­steigt. Frag­lich ist, ob dies eine Haf­tung der G-GmbH be­schrän­ken kann.

Im UmwG ist keine aus­drück­li­che Re­ge­lung über eine sol­che Be­gren­zung zu fin­den. Die Ent­ste­hungs­ge­schichte zeigt auch, dass der Ge­setz­ge­ber be­wusst auf eine Be­schrän­kung der Mit­haf­tung ver­zich­tet hat.

Nach Art. 12 Abs. 3 der Spal­tungsRL haf­ten die be­güns­tig­ten Ge­sell­schaf­ten für Ver­pflich­tun­gen als Ge­samt­schuld­ner, so­weit ein Gläu­bi­ger von der Ge­sell­schaft, auf wel­che die Ver­pflich­tung nach dem Spal­tungsplan über­tra­gen wur­de, keine Be­frie­di­gung er­langt hat. Die Mit­glied­staa­ten kön­nen diese Haf­tung auf das je­der die­ser Ge­sell­schaf­ten mit Aus­nahme der Ge­sell­schaft, auf die die Ver­pflich­tung über­tra­gen wur­de, zu­ge­teilte Net­toak­tiv­ver­mö­gen be­schrän­ken. Von die­ser Mög­lich­keit hat der deut­sche Ge­setz­ge­ber je­doch kei­nen Ge­brauch ge­macht.

Alo kann sich die G-GmbH nicht dar­auf be­ru­fen, dass die Kre­dit­summe das tat­säch­lich auf sie über­ge­gan­gene Net­to­aus­glie­de­rungs­ver­mö­gen i.H.v. 250 Mio. € bei Wei­tem über­steigt.

7. Vor­ran­gige Haf­tung der S-GmbH?

Die G-GmbH wen­det ein, dass sich B an die S-GmbH hal­ten sol­le, die im Wege der Aus­glie­de­rung ein Net­to­ver­mö­gen i.H.v. 750 Mio. € er­hal­ten hat.

Die G-GmbH haf­tet nach § 133 Abs. 1 S. 1 UmwG als Ge­samt­schuld­ne­rin für die Ver­bind­lich­keit (s.o.). Zwar haf­tet die S-GmbH ebenso als Ge­samt­schuld­ne­rin, je­doch ist nach § 421 BGB der B über­las­sen von wel­chem Ge­samt­schuld­ner sie die Leis­tung for­dert.

Da­mit kann die G-GmbH die B nicht auf die S-GmbH ver­wei­sen.

III. Fäl­lig­keit des Rück­zah­lungs­an­spruchs: Die Rück­zah­lungs­for­de­rung ist im April 2008 auch fäl­lig ge­wor­den.

IV. Er­geb­nis

Da­mit haf­tet die G-GmbH gem. § 133 Abs. 1 UmwG i.V.m. § 421 BGB ge­samt­schuld­ne­risch für die Dar­le­hens­rück­zah­lung i.H.v. 500 Mio. €.

B steht ein An­spruch ge­gen die G-GmbH auf Rück­zah­lung des Dar­le­hens aus § 488 Abs. 1 BGB zu.

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