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2. Un­be­schränkte Haf­tung bei Nicht-Han­dels­ge­sell­schaften?

Fall: Fri­sche Bröt­chen

A, B und C grün­den mit Ver­trag vom 03.10.2015 eine Back­wa­ren-KG. A soll Kom­ple­men­tär sein, B und C sich mit ih­ren so­fort ge­leis­te­ten Ein­la­gen i.H.v. 10.000 € als Kom­man­di­tisten be­tei­li­gen. An­ge­strebt wird durch Bä­cke­rei und Back­wa­ren-Ver­kauf mit ins­ge­samt 3 An­ge­stell­ten ein Jah­res­um­satz von ca. 120.000 €. We­gen der güns­ti­gen Markt­lage ei­nigt man sich, die Ge­schäfte so­fort zu star­ten. Am 01.11.2015 for­dert G von B und C ge­samt­schuld­ne­risch die Zah­lung von 30.000 €. Er hatte am 07.10.2015 der durch A ver­tre­te­nen KG einen großen Back­ofen ver­kauft und über­eig­net.

Lö­sungs­vor­schlag

Ein An­spruch des G ge­gen B und C auf Zah­lung des Kauf­prei­ses könnte sich aus § 433 Abs. 2 BGB, § 421 S. 1 BGB er­ge­ben.

Haf­tung von B und C als Kom­man­di­tisten ei­ner nicht ein­ge­tra­ge­nen "KG" (§ 176 Abs. 1 HGB, § 161 Abs. 2 HGB, § 128 S.1 HGB)

Dann müsste der An­spruch auf Zah­lung aus § 433 Abs. 2 BGB ge­mäß § 176 Abs. 1 HGB, § 128 S. 1 HGB eine Ver­bind­lich­keit der KG sein.

Ge­mäß § 161 Abs. 2 HGB, § 124 HGB ist eine KG rechts­fä­hig. Bei wie hier feh­len­der Ein­tra­gung fin­det ge­mäß § 161 Abs. 1 HGB nur KG-Recht An­wen­dung, wenn die Ge­sell­schaft ein Han­dels­ge­werbe be­treibt. Also müsste ge­mäß § 1 Abs. 2 HGB ein Ge­werbebe­trieb vor­lie­gen, der nach Art und Um­fang einen in kauf­män­ni­scher Weise ein­ge­rich­te­ten Ge­schäfts­be­trieb er­for­dert. Da­von ist vor­lie­gend we­gen des ge­rin­gen Um­sat­zes und der we­ni­gen An­ge­stell­ten nicht aus­zu­ge­hen. B und C haf­ten nicht als Kom­man­di­tisten.

Haf­tung von B und C als Ge­sell­schaf­ter ei­ner GbR (§ 705 BGB, § 128 S. 1 HGB ana­log)

Je­doch könnt G einen An­spruch auf Zah­lung aus den § 433 Abs. 2 BGB, § 421 S. 1 BGB i.V.m. § 128 S. 1 HGB ana­log ha­ben.

Vor Ein­tra­gung liegt man­gels Han­dels­ge­werbe eine GbR vor. Diese ist nach heute h.M. als Bä­cke­rei­be­trieb rechts­fä­hig. A hatte auch Ver­tre­tungsmacht ge­mäß dem Ge­sell­schafts­ver­trag, § 709 BGB, § 714 BGB, da sie auf KG-Grün­dung ge­rich­tet war, vgl. § 164 HGB, § 170 HGB.

Als Ge­sell­schaf­ter ei­ner GbR haf­ten B und C grund­sätz­lich (ana­log § 128 HGB) un­be­schränkt für Ge­sell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten, ge­mäß § 176 Abs. 1 S. 2 HGB ohne die Pri­vi­le­gie­rung des § 176 Abs. 1 S. 1 HGB.

Haf­tungs­be­schrän­kung durch Rechts­schein? (ana­log § 176)

Den­noch kommt eine Be­schrän­kung der Haf­tung in Be­tracht, da G bei Ver­trags­schluss da­von aus­ge­hen muss­te, B und C seien Kom­man­di­tisten (Schein-KG). Dann wür­den B und C ge­mäß des schein­bar gel­ten­den § 171 HGB nicht ge­gen­über G haf­ten, da sie ihre Ein­la­gen ge­leis­tet ha­ben. Die Schein-KG würde wie eine KG be­han­delt.

Al­ler­dings wäre dann die Re­ge­lung des § 176 HGB wi­der­sin­nig. Da­her könnte man § 176 Abs. 1 S. 1 HGB ana­log an­wen­den bzw. § 176 Abs. 1 S. 2 HGB nicht an­wen­den. Vor Ein­tra­gung wür­den B und C also eben­falls ana­log § 128 HGB haf­ten.

Al­lein pro­ble­ma­tisch bleibt dann, ob G i.S.v. § 176 Abs. 1 S. 1 a.E. HGB nur wis­sen muss, dass es über­haupt Kom­man­di­tisten gibt oder ge­rade B und C als sol­che er­kannt ha­ben muss. Würde man nur auf die ab­strakte Kennt­nis ab­stel­len, wäre § 176 Abs. 1 S. 1 HGB sinnent­leert in Be­zug auf ver­trag­li­che Ver­bind­lich­kei­ten, denn die Ge­sell­schaft be­ginnt ihre Ge­schäfte re­gel­mä­ßig fir­mie­rend als KG.

Un­ter­gang bzw. Durch­set­zungs­hin­der­nis­se?
Der An­spruch ist nicht un­ter­ge­gan­gen und durch­setz­bar.
End­er­geb­nis
G kann von B und C ge­samt­schuld­ne­risch Zah­lung i.H.v. 30.000 € ver­lan­gen. Er kann sei­nen Zah­lungs­an­spruch so­wohl ge­gen B als auch ge­gen C in vol­ler Höhe gel­tend ma­chen oder beide nur auf Teil­zah­lun­gen in An­spruch neh­men.
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