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C. Wo­nach kann man Rechts­for­men ord­nen?

I. Wel­che Rechts­for­men gibt es? – Über­blick

Der Baum folgt der her­kömm­li­chen Ein­tei­lung in Per­so­nen­ge­sell­schaften und Kör­per­schaften. Die Stif­tung steht ge­son­dert, denn sie hat keine Mit­glie­der. Was hin­ter der Ein­tei­lung steckt und wie weit sie trägt, er­fah­ren Sie auf der nächs­ten Sei­te.

Rechts­for­men des pri­va­ten Rechts

  • Per­so­nen­ge­sell­schaften
    • Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) – BGB
      • Va­ri­an­te: ein­ge­tra­gene GbR (eGbR)
    • Of­fene Han­dels­ge­sell­schaft (OHG) – HGB
    • Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG) – HGB
    • Part­ner­schafts­ge­sell­schaft (PartG) – PartGG
      • Va­ri­an­te: PartG mit be­schränk­ter Be­rufs­haf­tung (PartG mbB)
    • Stille Ge­sell­schaft – HGB
    • Eu­ro­päi­sche wirt­schaft­li­che In­ter­es­sen­ver­ei­ni­gung (EWIV) – EU-Recht
  • Kör­per­schaften
    • Ver­ein – BGB
    • Ge­nos­sen­schaft (eG) – GenG
    • Ge­sell­schaft mit be­schränk­ter Haf­tung (GmbH) – GmbHG
      • Va­ri­an­te: Un­ter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be­schränkt), UG
    • Ak­ti­en­ge­sell­schaft (AG) – AktG
    • Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Ak­tien (KGaA) – AktG
    • Eu­ro­päi­sche Ge­sell­schaft (SE) – EU-Recht
  • Stif­tung (keine Ge­sell­schaft, da ohne Mit­glie­der) – BGB

Rechts­grund­lage und Haf­tung im Ein­zel­nen

Rechts­formRechts­grund­lageHaf­tung in ei­nem Satz
GbR§§ 705 ff. BGBNe­ben dem Ge­sell­schafts­ver­mö­gen haf­ten alle Ge­sell­schaf­ter per­sön­lich, un­be­schränkt und als Ge­samt­schuld­ner (§ 721 BGB).
eGbR§§ 705 ff. BGB, Ein­tra­gung im Ge­sell­schafts­re­gis­ter nach §§ 707 ff. BGBWie bei der GbR: Die Ein­tra­gung än­dert an der per­sön­li­chen Haf­tung der Ge­sell­schaf­ter nichts (§ 721 BGB).
OHG§§ 105 ff. HGBAlle Ge­sell­schaf­ter haf­ten per­sön­lich und un­be­schränkt (§ 126 HGB).
KG§§ 161 ff. HGBDie Kom­ple­men­täre haf­ten un­be­schränkt, die Kom­man­di­tisten nur bis zur Höhe ih­rer Ein­lage (§ 161 Abs. 1, § 171 Abs. 1 HGB).
PartGPartGGDie Part­ner haf­ten grund­sätz­lich per­sön­lich als Ge­samt­schuld­ner (§ 8 Abs. 1 PartGG). Für be­ruf­li­che Feh­ler haf­tet da­ne­ben nur der da­mit be­fasste Part­ner (§ 8 Abs. 2 PartGG), bei der PartG mbB nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen (§ 8 Abs. 4 PartGG).
Stille Ge­sell­schaft§§ 230 ff. HGBNach au­ßen ist al­lein der In­ha­ber des Han­dels­ge­schäfts be­rech­tigt und ver­pflich­tet (§ 230 Abs. 2 HGB). Der stille Ge­sell­schaf­ter haf­tet den Gläu­bi­gern nicht.
EWIVEWIV-VO (VO (EWG) Nr. 2137/85), er­gän­zend EWIV-Aus­füh­rungs­ge­setzDie Mit­glie­der haf­ten un­be­schränkt und ge­samt­schuld­ne­risch (Art. 24 EWIV-VO).
Ver­ein§§ 21 ff. BGBBeim ein­ge­tra­ge­nen Ver­ein (e.V.) haf­tet nur das Ver­einsver­mö­gen, nicht das Ver­mö­gen der Mit­glie­der.
Ge­nos­sen­schaft (eG)GenGDen Gläu­bi­gern haf­tet nur das Ver­mö­gen der Ge­nos­sen­schaft (§ 2 GenG).
GmbHGmbHGDen Gläu­bi­gern haf­tet nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen (§ 13 Abs. 2 GmbHG).
UG (haf­tungs­be­schränkt)§ 5a GmbHGWie bei der GmbH haf­tet nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen (§ 13 Abs. 2 GmbHG).
AGAktGDen Gläu­bi­gern haf­tet nur das Ge­sell­schafts­ver­mö­gen (§ 1 Abs. 1 Satz 2 AktG).
KGaA§§ 278 ff. AktGMin­des­tens ein per­sön­lich haf­ten­der Ge­sell­schaf­ter haf­tet un­be­schränkt. Die Kom­man­di­tak­tio­näre haf­ten nicht per­sön­lich (§ 278 Abs. 1 AktG).
SESE-VO (VO (EG) Nr. 2157/2001), er­gän­zend SEAG und SEBG so­wie das AktGDie Ak­tio­näre haf­ten nur bis zur Höhe des von ih­nen ge­zeich­ne­ten Ka­pi­tals (Art. 1 Abs. 2 Satz 2 SE-VO).
Stif­tung§§ 80 ff. BGBEs haf­tet nur das Stif­tungsver­mö­gen. Mit­glie­der, die haf­ten könn­ten, gibt es nicht.

Ach­tung, Mo­PeG! Seit dem 1.1.2024 gilt das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Per­so­nen­ge­sell­schaftsrechts (Mo­PeG). Drei Fol­gen soll­ten Sie ken­nen:

  • Das Ge­setz sagt jetzt aus­drück­lich, dass die GbR rechts­fä­hig sein kann (§ 705 Abs. 2 BGB). Rechts­fä­hig heißt: Die Ge­sell­schaft selbst kann Rechte und Pflich­ten ha­ben, etwa Ver­träge schlie­ßen. Das gilt, wenn die Ge­sell­schaf­ter ge­mein­sam am Rechts­ver­kehr teil­neh­men wol­len. Eine GbR, die nur das Ver­hält­nis der Ge­sell­schaf­ter un­ter­ein­an­der re­gelt, ist nicht rechts­fä­hig (§ 740 BGB).
  • Eine GbR kann sich in das neue Ge­sell­schafts­re­gis­ter ein­tra­gen las­sen. Dann heißt sie „ein­ge­tra­gene Ge­sell­schaft bür­ger­li­chen Rechts“ (eGbR).
  • Die Haf­tungs­nor­men im HGB ha­ben neue Num­mern. Die per­sön­li­che Haf­tung der OHG-Ge­sell­schaf­ter steht jetzt in § 126 HGB, frü­her in § 128 HGB. In äl­te­ren Bü­chern und Ur­tei­len fin­den Sie noch die alte Zäh­lung.

Drei Hin­weise zum Ver­ständ­nis

Va­ri­an­ten sind keine ei­ge­nen Rechts­for­men. Die eGbR ist eine GbR, die ein­ge­tra­gen ist. Die UG (haf­tungs­be­schränkt) ist eine GmbH, die mit we­ni­ger als 25.000 Euro Stamm­ka­pi­tal ge­grün­det wer­den darf (vgl. § 5 Abs. 1, § 5a Abs. 1 GmbHG). Für sie gel­ten im Grund­satz die Re­geln der je­wei­li­gen Grund­form.

Die Stif­tung ist kein Zu­sam­menschluss von Per­so­nen. Sie ist ein ver­selbst­stän­dig­tes Ver­mö­gen, das ei­nem vom Stif­ter fest­ge­leg­ten Zweck dient. Sie ge­hört trotz­dem in den Über­blick, weil sie häu­fig als Al­ter­na­tive zu Ge­sell­schaf­ten ge­wählt wird.

Rechts­for­men las­sen sich kom­bi­nie­ren. Der Ty­pen­zwang ver­bie­tet keine Kom­bi­na­tio­nen. Das be­kann­teste Bei­spiel ist die GmbH & Co. KG.

Bei der GmbH & Co. KG ist eine GmbH der ein­zige Kom­ple­men­tär ei­ner KG. Die GmbH haf­tet als Kom­ple­men­tär zwar un­be­schränkt, aber eben nur mit ih­rem ei­ge­nen Ver­mö­gen. Hin­ter ihr steht kein Mensch, der mit sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen ein­ste­hen muss. So er­rei­chen die Be­tei­lig­ten im Er­geb­nis eine Haf­tungs­be­schrän­kung, ob­wohl sie eine Per­so­nen­ge­sell­schaft ge­wählt ha­ben.

Für den Ein­stieg ge­nügt eine Faust­re­gel: Bei den Per­so­nen­ge­sell­schaften des Baums haf­tet grund­sätz­lich min­des­tens ein Ge­sell­schaf­ter per­sön­lich. Die Aus­nah­men sind der Kom­man­di­tist und der stille Ge­sell­schaf­ter. Bei den Kör­per­schaften und der Stif­tung haf­tet grund­sätz­lich nur das ei­gene Ver­mö­gen der Or­ga­ni­sa­ti­on. Die Aus­nahme ist der per­sön­lich haf­tende Ge­sell­schaf­ter der KGaA. Mer­ken Sie sich die Faust­re­gel als Ori­en­tie­rung, nicht als Lehr­satz.

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