V. Wel­che Fol­gen hat ein Rück­tritt?

2. Wel­che Be­deu­tung hat die Wer­ter­satz­pflicht (§ 346 Abs. 2 BGB)?

In § 346 Abs. 2 S. 1 BGB ord­net das Ge­setz eine ver­schul­den­su­n­ab­hän­gige Wer­ter­satz­pflicht an, ne­ben die ver­schul­dens­ab­hän­gige Scha­denser­satzan­sprü­che nach § 346 Abs. 4 BGB iVm § 280 Abs. 1, Abs. 3 BGB iVm § 281 BGB bzw. § 283 BGB tre­ten kön­nen. Da­bei er­laubt das Ge­setz eine Auf­tei­lung der Leis­tun­gen: Nur so­weit die Rück­ge­währ in na­tura nicht mög­lich ist, muss Wer­ter­satz ge­leis­tet wer­den, so dass teil­weise Rück­ge­währ und teil­weise Wer­ter­satz zu leis­ten sein kann.

  • § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 BGB ord­net einen Wer­ter­satz­an­spruch an, wenn die Rück­ge­währ nach der Na­tur des Er­lang­ten aus­ge­schlos­sen ist. Da­mit be­zieht sich das Ge­setz vor al­lem auf Dienst­leis­tun­gen (§ 611 BGB), auf die Ge­brauchs­über­las­sung ei­ner Sa­che (§ 535 BGB) oder auf un­kör­per­li­che Werke wie eine Ta­xi­fahrt oder ein münd­li­ches Gut­ach­ten (§ 631 BGB).

Ähn­lich ist die Re­ge­lung zur Wer­ter­satz­pflicht bei un­ge­recht­fer­tig­ter Be­rei­che­rung (§ 818 Abs. 2, 1. Var BGB), die sich der Ge­setz­ge­ber zum Vor­bild ge­nom­men hat. Wenn Sie also eine der bei­den Re­ge­lun­gen ver­ste­hen, kön­nen Sie auch die an­dere nach­voll­zie­hen.

  • § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 BGB be­stimmt, dass Wer­ter­satz zu leis­ten ist, wenn die Sa­che ver­braucht, ver­äu­ßert, be­las­tet, ver­ar­bei­tet oder um­ge­stal­tet wur­de. Da die emp­fan­gene Leis­tung im ur­sprüng­li­chen Zu­stand zu­rück­zu­ge­wäh­ren wä­re, ist in­so­weit tat­säch­li­che Un­mög­lich­keit (§ 275 Abs. 1 BGB) ein­ge­tre­ten. Frei­lich steht es dem Rück­trittsschuld­ner frei, die Be­las­tung zu be­sei­ti­gen (d.h. etwa ein Pfand­recht ab­zu­lö­sen), den ver­äu­ßer­ten Ge­gen­stand wie­der­zu­be­schaf­fen oder die Fol­gen ei­ner Ver­ar­bei­tung voll­stän­dig rück­gän­gig zu ma­chen. Dann muss er die Leis­tung in na­tura zu­rück­ge­wäh­ren, seine Wer­ter­satz­pflicht ent­fällt.
  • Schließ­lich um­fasst § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 BGB die wei­te­ren Fälle der Un­mög­lich­keit der Her­aus­gabe, die nicht in Ver­brauch, Ver­äu­ße­rung, Be­las­tung, Ver­ar­bei­tung oder Um­ge­stal­tung im Sinne von § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 BGB lie­gen. Sie müs­sen da­bei al­ler­dings sau­ber zwi­schen ei­ner Ver­schlech­te­rung und ei­nem Un­ter­gang dif­fe­ren­zie­ren: Nur für die 1. Va­ri­ante (die Ver­schlech­te­rung - also nicht den Un­ter­gang!) schließt näm­lich der zweite Halb­satz von Nr. 3 eine Wer­ter­satz­pflicht aus, wenn diese Ver­schlech­te­rung auf der be­stim­mungs­ge­mä­ßen In­ge­brauch­nahme be­ruh­te. Da­bei geht es etwa um die Wert­min­de­rung ei­nes PKW al­lein durch die Erst­zu­las­sung.
  • § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 und Nr. 3 BGB sind deut­lich kon­kre­ter ge­fasst als § 818 Abs. 2, 2. Var. BGB für die un­ge­recht­fer­tigte Be­rei­che­rung. Den­noch ist der zu­grun­de­lie­gende Ge­danke iden­tisch - da­her soll nach un­strei­ti­ger Auf­fas­sung die Wer­ter­satz­pflicht nach § 346 Abs. 2 S. 1 BGB in al­len Fäl­len ein­grei­fen, in de­nen eine Rück­ge­währ un­mög­lich i.S.v. § 275 Abs. 1 BGB ist.

Die Be­grün­dung da­für ist um­strit­ten: Teil­weise wird nur § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 BGB ana­log her­an­ge­zo­gen, zum Teil wird wei­ter­ge­hend eine Ge­samtana­lo­gie zu § 346 Abs. 3 S. 1 Nr. 2 und Nr. 3 BGB ge­bil­det und mit­un­ter wird die Ge­samtana­lo­gie so­gar auf § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 BGB ge­stützt. Wie­der an­dere mei­nen, man könne dies durch eine weite Aus­le­gung der Be­griffe in § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 2, Nr. 3 BGB lö­sen.

Al­ler­dings ist die­ser Streit um die Her­lei­tung nie ent­schei­dungs­er­heb­lich (alle An­sich­ten füh­ren im­mer zum sel­ben Er­geb­nis). Sie soll­ten ihn da­her nicht in der Klau­sur dar­stel­len. Sie kön­nen zur Be­grün­dung der Wer­ter­satz­pflicht jede der drei Ana­lo­gien wäh­len und müs­sen dies nicht nä­her ab­gren­zen oder be­grün­den.

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