a. Was ist ein vor­ver­trag­li­ches Schuld­ver­hält­nis (§ 311 Abs. 2 BGB)?

dd. Wel­che Kon­kur­renz­pro­bleme stel­len sich?

Ne­ben An­sprü­chen auf Scha­denser­satz aus § 280 BGB iVm § 311 Abs. 2 BGB kom­men eine ganze Reihe von an­de­ren An­spruchs­grund­lagen in Be­tracht:

Wenn A den B durch vor­sätz­li­che Vor­spie­ge­lung falscher Tat­sa­chen zum Ab­schluss ei­nes für B nach­tei­li­gen und A be­güns­ti­gen­den Ver­trags­schlus­ses bringt, hat B ge­gen A einen Scha­denser­satz­an­spruch aus § 280 Abs. 1 BGB und par­al­lel einen An­spruch aus § 823 Abs. 2 BGB iVm § 263 Abs. 1 StGB.

  • Pf­licht­ver­let­zun­gen im vor­ver­trag­li­chen Be­reich ste­hen ne­ben spä­te­ren Pf­licht­ver­let­zun­gen nach Ver­tragsschluss. Der Ver­tragsschluss führt also nicht zum Er­lö­schen von ein­mal ent­stan­de­nen An­sprü­chen aus culpa in con­tra­hendo.

Lügt A bei Ver­tragsschluss über seine Per­son und hat die Sa­che nicht die be­haup­te­ten Ei­gen­schaf­ten, hat A ei­ner­seits eine Rück­sichts­nah­me­pflicht im Rah­men der Ver­tragsver­hand­lun­gen ver­letzt (§ 280 Abs. 1 BGB iVm § 241 Abs. 2 BGB iVm § 311 Abs. 2 BGB). Er hat aber auch eine sach­man­gel­hafte Sa­che über­ge­ben und über­eig­net und haf­tet des­halb nach § 437 Nr. 3 BGB iVm § 280 Abs. 1, Abs. 3 BGB, § 281 BGB auf Scha­denser­satz statt der Leis­tung.

  • Nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung kön­nen zu­dem Pf­licht­ver­let­zun­gen im vor­ver­trag­li­chen Be­reich nach Ab­schluss ei­nes un­güns­ti­gen Ver­tra­ges einen An­spruch auf Scha­denser­satz statt der Leis­tung un­ter den Voraus­set­zun­gen des § 282 BGB so­wie ein Rück­tritts­recht un­ter den Voraus­set­zun­gen von § 324 BGB be­grün­den. Beide Nor­men sind aber nur ana­log an­zu­wen­den, da sie ei­gent­lich eine Pf­licht­ver­let­zung nach Zu­stan­de­kom­men des Ver­tra­ges vor­aus­set­zen.
  • Be­son­dere Pro­bleme be­rei­tet das Ver­hält­nis zu den Scha­denser­satzan­sprü­chen aus dem all­ge­mei­nen Teil (§ 122 BGB, § 179 Abs. 1 BGB und § 179 Abs. 2 BGB) so­wie der Auf­he­bung ei­nes Ver­trages durch An­fech­tung we­gen arg­lis­ti­ger Täu­schung (§ 142 Abs. 1 BGB iVm § 123 Abs. 1 BGB) zur Rück­gän­gig­ma­chung als Na­tu­ral­re­sti­tu­tion (§ 249 Abs. 1 BGB als Rechts­folge von § 280 Abs. 1 BGB), die wir uns auf den fol­gen­den Sei­ten nä­her an­se­hen wer­den.
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