I. Was gilt, wenn meh­rere Per­so­nen ver­pflich­tet sind?

3. Was ist eine Ge­samt­schuld (§ 421 BGB)?

Die Ge­samt­schuld (§ 421 BGB) ist der häu­figste Fall der Ver­pflich­tung meh­re­rer Per­so­nen. Eine Ge­samt­schuld hat fünf Voraus­set­zun­gen:

  1. Es müs­sen min­des­tens zwei Per­so­nen ge­gen­über dem Gläu­bi­ger ver­pflich­tet sein. Diese Ge­samt­schuldner müs­sen sich nicht un­ter­ein­an­der ken­nen; es muss sich auch nicht um ein ein­heit­li­ches Schuld­ver­hält­nis han­deln. Da­her ist es etwa ir­re­le­vant, wenn ein Ge­samt­schuldner aus Ver­trag (§ 280 BGB) und ein an­de­rer aus De­likt (§ 823 BGB) auf Scha­denser­satz haf­tet.
  2. Die Schuld­ner müs­sen dem Gläu­bi­ger auf das­selbe In­ter­esse haf­ten. Maß­geb­lich da­für ist die Per­spek­tive des Gläu­bi­gers (nicht die­je­nige der Schuld­ner). Das be­deu­tet: Wenn die Leis­tun­gen das­selbe In­ter­esse be­frie­di­gen, ist ir­re­le­vant, ob ver­schie­dene Leis­tungs­hand­lun­gen vor­zu­neh­men sind oder tat­säch­lich ver­schie­dene Ge­gen­stände über­ge­ben wer­den müs­sen.
  3. Der Gläu­bi­ger darf die Leis­tung nur ein­mal for­dern dür­fen - die Leis­tung des einen Schuld­ners muss also die Leis­tungs­pflicht al­ler an­de­ren Schuld­ner er­lö­schen las­sen (§ 422 BGB).
  4. Je­der Schuld­ner muss zur Er­brin­gung der ge­sam­ten Leis­tung ver­pflich­tet sein (sonst läge eine Teil­schuld im Sinne von § 420 BGB vor). Kann der ein­zelne Schuld­ner nur zu­sam­men mit den an­de­ren leis­ten, kann es sich je­doch auch um eine (nicht aus­drück­lich ge­re­gel­te) ge­mein­schaft­li­che Schuld han­deln.
  5. Schließ­lich müs­sen die Schuld­ner "gleich­stu­fig" ne­bein­an­der haf­ten. Die­ses un­ge­schrie­bene Merk­mal soll Fälle aus­schlie­ßen, in de­nen ei­ner der Schuld­ner nur nach­ran­gig haf­tet. Da­ran fehlt es in der Re­gel, wenn das Ge­setz eine ("­au­to­ma­ti­sche") Le­galzes­sion (§ 412 BGB iVm § 398 BGB) an­ord­net, so­fern ei­ner der Schuld­ner zahlt (etwa in § 774 Abs. 1 BGB für Bür­gen, § 6 EFZG bei Ent­gelt­fort­zah­lung für Un­fall­schä­den, § 86 VVG für Be­hand­lungs­kos­ten bei Pri­vat­ver­si­che­rung, § 116 SGB X für Be­hand­lungs­kos­ten bei ge­setz­li­cher So­zi­al­ver­si­che­rung). Denn dann wäre § 426 Abs. 2 BGB ge­gen­stands­los.
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