A. Wie gehe ich an eine Klau­sur her­an?

VI. Was macht eine gute Klau­sur aus?

Im Ver­gleich zu Auf­ga­ben­stel­lun­gen aus der Schul­zeit be­deu­tet eine ju­ris­ti­sche Klau­sur einen er­heb­li­chen Um­ge­wöh­nungs­auf­wand: Ihre Auf­gabe ist es in­so­weit aus­schließ­lich (!), den Fall zu lö­sen. Da­bei sind Sie in der Rolle des Rich­ters - Sie müs­sen da­her die In­ter­es­sen bei­der Par­teien im Blick hal­ten, aber letzt­lich zu ei­nem ein­deu­ti­gen Er­geb­nis kom­men.

Dies be­deu­tet:

  1. Sie sol­len (nur) die kon­krete Frage be­ant­wor­ten, d.h. am Ende Ih­rer Klau­sur steht eine klare und ein­deu­tige Ant­wort. Es geht nicht um das Ab­spu­len von De­tail­wis­sen oder Sche­ma­ta.

  2. Sie sol­len die Frage aus al­len denk­ba­ren recht­li­chen Ge­sichts­punk­ten be­trach­ten. Sie müs­sen also das Ge­setz und den Sach­ver­halt um­fas­send aus­wer­ten. Eine freie Stamm­tisch­dis­kus­sion führt zur Ab­wer­tung.

  3. Sie sol­len eine ver­ständ­li­che und nach­voll­zieh­bare Lö­sung ab­lie­fern. Wenn Ihre Ar­beit keine Struk­tur hat oder wi­der­sprüch­lich ist, ha­ben Sie es schwer, zu be­ste­hen.

  4. Sie sol­len auch Ge­gen­ar­gu­mente wür­di­gen - d.h. Sie sol­len nicht ein­sei­tig dis­ku­tie­ren, son­dern sich "schi­zo­phren" in die Lage bei­der Par­teien ver­set­zen. Wenn Sie eine Par­tei von vor­ne­he­rein als "Schwei­ne­hund" ab­tun und sie be­stra­fen, führt dies zur Ab­wer­tung.

  5. Sie sol­len zwi­schen Fra­gen der Ge­set­zes­aus­le­gung (Was meint das Ge­setz?) und der Ge­set­zes­an­wen­dung (Passt das Ge­setz auf die­sen kon­kre­ten Fall?) sau­ber dif­fe­ren­zie­ren. Das Ge­setz wurde nicht nur für Ihren Fall ge­macht!

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