1. Ka­pi­tel: Wo­von han­delt das Han­dels­recht?

A. Worum geht es im Han­dels­recht?

Das Han­dels­recht im en­ge­ren Sinne re­gelt die ge­gen­über dem BGB vor­ran­gi­gen Rechte und Pf­lich­ten von Kauf­leu­ten (Son­der­pri­vat­recht, vgl. Art. 2 Abs. 1 EGHGB: "In Han­delssa­chen kom­men die Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Ge­setz­buchs nur in­so­weit zur An­wen­dung,als nicht im Han­dels­ge­setz­buch oder in die­sem Ge­setz ein an­de­res be­stimmt ist."). Es fin­det sich im Han­dels­ge­setz­buch von 1897, das in vie­len Tei­len noch mit dem ADHGB von 1861 über­ein­stimmt.

Man spricht von ei­nem "sub­jek­ti­ven Sys­tem", da an die Qua­li­fi­ka­tion min­des­tens ei­nes Be­tei­lig­ten als Kauf­mann im Sinne von §§ 1-6 HGB an­ge­knüpft wird. Diese An­knüp­fung ist his­to­risch be­dingt - der Kauf­manns­stand war im 19. Jahr­hun­dert eine star­ke, ei­gen­stän­dige Gruppe in der Ge­sell­schaft. Al­ler­dings gel­ten ei­nige Re­geln des heu­ti­gen HGB ex­pli­zit auch für Per­so­nen, die nicht Kauf­leute sind (etwa § 407 Abs. 3 S. 2 HGB, § 84 Abs. 4 HGB). An­dere Staa­ten knüp­fen nicht an all­ge­meine Ei­gen­schaf­ten der Per­son (das Sub­jek­t), son­dern an be­stimmte ty­pi­sche Ge­schäfte (den Ge­gen­stand, das Ob­jekt) an - man spricht dann vom "ob­jek­ti­ven Sys­tem".

Aus Grün­den des Wett­be­werbs­schut­zes und der Gleich­be­hand­lung von Un­ter­neh­men ver­schie­de­ner Rechts­form wird heut­zu­tage in vie­len Fäl­len über eine ana­loge An­wen­dung han­dels­recht­li­cher Re­ge­lun­gen auf Nicht­kauf­leute dis­ku­tiert. Ei­ner um­fas­sen­den Ana­lo­gie ste­hen da­bei aber mit­un­ter öf­fent­lich-recht­li­che Schran­ken ent­ge­gen: Das Han­dels­re­gis­ter als ho­heit­li­ches Pub­li­ka­ti­ons­medium steht nur Kauf­leu­ten im Sinne des HGB of­fen; ins­be­son­dere Frei­be­ruf­ler kön­nen sich dort nicht ein­tra­gen las­sen. Da­her schei­det eine um­fas­sende Ana­lo­gie zu al­len Re­geln des HGB aus. Dem­ge­gen­über ist eine ana­loge An­wen­dung ein­zel­ner Nor­men durch­aus mög­lich. Wir wer­den die Frage ei­ner ana­lo­gen An­wen­dung da­her bei je­dem Pro­blem­kreis ge­son­dert dis­ku­tie­ren.

So fin­den die Re­ge­lun­gen zur ak­zes­so­ri­schen Haf­tung in der Of­fe­nen Han­dels­ge­sell­schaft (§ 128 HGB, § 129 HGB, § 130 HGB) nach heute herr­schen­der Auf­fas­sung ih­rem Rechts­ge­dan­ken nach auch auf an­dere Au­ßen­ge­sell­schaf­ten An­wen­dung. Auch das "kauf­män­ni­sche Be­stä­ti­gungs­schrei­ben" soll nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung nicht nur für Kauf­leute iSv §§ 1-6 HGB gel­ten, son­dern auch für an­dere Per­so­nen, die wie Kauf­leute am Rechts­ver­kehr teil­neh­men.

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