3. An wen darf die Leis­tung er­bracht wer­den?

a. Was be­deu­tet "Empfangs­zu­stän­dig­keit"?

Grund­sätz­lich muss die Leis­tung an den Gläu­bi­ger er­bracht wer­den (§ 362 Abs. 1 BGB). Dies gilt al­ler­dings dann nicht, wenn dem Gläu­bi­ger die "Empfangs­zu­stän­dig­keit" fehlt. Aus den Wer­tun­gen der § 362 Abs. 2 BGB, § 1812 BGB und § 1813 BGB lässt sich ent­neh­men, dass die Empfangs­zu­stän­dig­keit von der Ver­fü­gungs­macht über die For­de­rung ab­hän­gig ist. Die Empfangs­zu­stän­dig­keit kann so­mit grund­sätz­lich in drei Kon­stel­la­tio­nen feh­len.

  • Die Leis­tung darf auf­grund ge­setz­li­cher An­ord­nung nicht an den Gläu­bi­ger er­fol­gen, son­dern muss an eine an­dere Per­son er­bracht wer­den.
Im In­sol­venz­ver­fah­ren ist an den In­sol­venz­ver­wal­ter zu leis­ten (§ 80 InsO), bei Te­sta­ments­voll­stre­ckung (§ 1812 ff. BGB iVm § 1908 BGB, § 2211 BGB) an den Te­sta­ments­voll­stre­cker. Bei Ge­schäfts­un­fä­hi­gen (§ 105 BGB) ist an den ge­setz­li­chen Ver­tre­ter (d.h. die El­tern oder den Be­treu­er) zu leis­ten - nicht an den Ge­schäfts­un­fä­hi­gen selbst.
  • Es kann al­ler­dings auch für einen ge­wis­sen Zeit­raum die Mög­lich­keit zur Er­fül­lung vor­über­ge­hend ganz aus­ge­schlos­sen sein.

Bei Pfän­dung der For­de­rung darf keine Leis­tung mehr an den Gläu­bi­ger er­fol­gen (§ 829 ZPO), ebenso bei ei­nem ge­richt­li­chen bzw. be­hörd­li­chen Ver­äu­ße­rungs­ver­bot (§ 136 BGB [ge­richt­li­ches oder be­hörd­li­ches Ver­äu­ße­rungs­ver­bot] iVm § 135 BGB [ge­setz­li­ches Ver­äu­ße­rungs­ver­bot, das prak­tisch nie vor­lieg­t]).

  • Be­son­dere Schwie­rig­kei­ten wirft die Empfangs­zu­stän­dig­keit von Min­der­jäh­ri­gen (§ 107 BGB) auf. Diese be­han­deln wir auf der fol­gen­den Sei­te.
Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).
32