bb. Was gilt für Zin­sen?

Wel­che Fälle von Zin­sen sind zu un­ter­schei­den?

Sie müs­sen in der Klau­sur drei wich­tige Fälle von Zin­sen un­ter­schei­den:

  • Be­son­dere prak­ti­sche Be­deu­tung ha­ben rechts­ge­schäft­lich ver­ein­bar­ten Zin­sen, ins­be­son­dere im Dar­le­hens­ver­trag (§ 488 Abs. 1 S. 2 BGB). Diese sind die Ge­gen­leis­tung für die Über­las­sung des Gel­des und fal­len da­mit nicht un­ter § 4 Abs. 1 a.E. ZPO - sie sind also Teil der Haupt­for­de­rung.
  • Das BGB ord­net in § 641 Abs. 4 BGB an, dass die Ver­gü­tung des Wer­kun­ter­neh­mers (§ 631 BGB) ab Fäl­lig­keit zu ver­zin­sen ist. Sol­che Fäl­lig­keitszin­sen sieht au­ßer­dem § 353 S. 1 HGB für Han­dels­ge­schäfte vor. Auch Auf­wen­dun­gen sind nach § 256 BGB zu ver­zin­sen, so­bald sie ge­tä­tigt wur­den. Für diese Zins­an­sprü­che gilt je­weils der ge­setz­li­che Zins­satz von 4 % (§ 246 BGB) bzw. bei bei­der­sei­ti­gen Han­dels­ge­schäf­ten von 5 % (§ 352 HGB).

  • Im Üb­ri­gen sind Geld­schul­den erst ab Ein­tritt des Ver­zugs (§ 288 BGB) bzw. ab Rechts­hän­gig­keit (§ 291 BGB) zu ver­zin­sen (Ver­zugs­zin­sen bzw. Pro­zess­zin­sen). Dies­be­züg­lich greift ein dy­na­mi­scher, vom Ba­sis­zins­satz (§ 247 BGB) ab­hän­gi­ger Zins: Nach § 288 Abs. 1 BGB be­trägt die­ser 5% über dem Ba­sis­zins. Hö­here Zin­sen von 9% über dem Ba­sis­zins­satz ge­währt das BGB in Um­set­zung der EU-Zah­lungs­ver­zugs­richt­li­nie für Ent­gelt­for­de­run­gen (also Ge­gen­leis­tungs­an­sprü­che in Geld) für Ge­schäf­te, an de­nen ein Ver­brau­cher (§ 13 BGB) nicht be­tei­ligt ist. Da­mit soll die Zah­lungs­mo­ral im Ge­schäfts­ver­kehr ge­stärkt wer­den.
Sie müs­sen hier zeit­raum­be­zo­gen dif­fe­ren­zie­ren: Ab Fäl­lig­keit grei­fen (ggf.) Fäl­lig­keitszin­sen, nach Mah­nung (o­der bei Vor­lie­gen ei­nes der Fälle von § 286 Abs. 2, Abs. 3 BGB) er­höht sich der Zins­satz auf den Ver­zugs­zins.

Um­strit­ten ist je­doch, wie sich der seit län­ge­rem be­ste­hende ne­ga­tive Ba­sis­zins­satz aus­wirkt.

Die herr­schende Mei­nung ad­diert auch in­so­weit; bei -0,88% Ba­sis­zins­satz er­gibt sich also 4,12%. Da die­ser auf­grund der volks­wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen nie­mals nied­ri­ger als -0,88 sein kann, ist der Ver­zugs­zins­satz stets hö­her als der ge­setz­li­che Zins­satz von 4%; ein im Ein­zel­fall hö­he­rer Scha­den muss nach § 288 Abs. 4 BGB po­si­tiv be­wie­sen wer­den.

Pro­bleme tre­ten je­doch im Han­dels­recht auf, so­weit keine Ent­gelt­for­de­rung be­trof­fen ist: Dann sind die Fäl­lig­keitszin­sen 5% (§ 352 HGB), der Ver­zugs­zins­satz wäre je­doch nur 4,12% (§ 288 Abs. 1 BGB). Die Mah­nung (§ 286 Abs. 1 S. 1 BGB) bzw. die Klage­er­he­bung (§ 291 BGB) würde den Gläu­bi­ger also schlech­ter stel­len - etwa bei Auf­wen­dungs­er­satz (§ 256 BGB) oder Er­satz für Wert­ver­luste (§ 849 BGB). Die­ses Er­geb­nis lässt sich nur kor­ri­gie­ren, wenn man das Wort "über" so ver­steht, dass nur eine Er­hö­hung um einen po­si­ti­ven Wert, nicht aber eine Her­ab­set­zung durch einen ne­ga­ti­ven Wert ge­meint ist. Die Min­der­mei­nung will also stets min­des­tens 0 zu den in § 288 BGB ge­nann­ten Be­trä­gen ad­die­ren.

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