C. Was ist ein "Wi­der­ruf" (§ 355 BGB)?

IV. Wie be­rech­net man die Wi­der­rufsfrist?

Nach § 355 Abs. 2 S. 1 BGB be­trägt die Wi­der­rufsfrist 14 Tage (nicht: 2 Wo­chen!). Die Be­rech­nung rich­tet sich also nach § 187 Abs. 1 BGB iVm § 188 Abs. 2 BGB. Für den Be­ginn ist zu dif­fe­ren­zie­ren:

  • Für Wi­der­rufsrechte nach § 312g BGB gel­ten vor­ran­gig § 356 Abs. 2 bis Abs. 4 BGB. Be­son­dere Be­deu­tung hat da­bei § 356 Abs. 2 BGB: Bei ei­nem Ver­brauchs­gü­ter­kauf be­ginnt die Frist nicht mit Ver­tragsschluss, son­dern nach § 356 Abs. 2 Nr. 1 BGB mit Über­gabe der letz­ten Ware aus ei­ner Be­stel­lung an den Ver­brau­cher oder ei­ner von die­sem be­nann­ten Hilfs­per­son (a­ber nicht der Trans­port­per­son, also etwa der Post). Maß­geb­lich ist also we­der der Zu­gang (§ 130 BGB) noch der An­nah­me­ver­zug (§ 293 BGB) - ent­schei­dend ist die tat­säch­li­che Be­sitzer­lan­gung, so dass die Ware ge­prüft wer­den kann. Dem­ge­gen­über ist nach § 356 Abs. 2 Nr. 2 BGB für di­gi­tale In­hal­te, Was­ser, Gas, Strom und Fern­wärme der Ver­tragsschluss maß­geb­lich.
  • Bei Teil­zeit­wohn­rech­te­ver­trä­gen be­ginnt die Wi­der­rufsfrist mit Ver­tragsschluss oder so­gar mit ei­nem Vor­ver­trags­schluss (§ 356a Abs. 2 S. 1 BGB). Für Ver­brau­cherdar­le­hens­ver­träge ver­schiebt § 356b Abs. 3 BGB den frü­hest mög­li­chen Frist­be­ginn auf den Zeit­punkt der Über­gabe ei­ner Ab­schrift des Ver­trages (§ 494 Abs. 7 BGB), ähn­lich ver­lagert § 356a Abs. 3 BGB den Frist­be­ginn bei Teil­zeit­wohn­rech­te­ver­trä­gen bis die Wi­der­rufsbe­leh­rung in deut­scher Spra­che über­las­sen wurde (§ 356a Abs. 3 BGB).
  • Ge­ne­rell soll die Frist nicht vor ord­nungs­ge­mä­ßer Be­leh­rung und In­for­ma­tion be­gin­nen, vgl. etwa § 356 Abs. 3 S. 1 BGB. Auch ohne das Nach­ho­len ei­ner Be­leh­rung oder In­for­ma­tion er­lischt das Wi­der­rufsrecht nach be­stimm­ten Höchst­fris­ten: Bei au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­nen und Fern­ab­satz­ver­trä­gen er­lischt das Wi­der­rufsrecht bei­spiels­weise ge­mäß § 356 Abs. 3 S. 2 BGB spä­tes­tens 12 Mo­nate und 14 Tage nach Lie­fe­rung bzw. Ver­tragsschluss (§ 356 Abs. 2 BGB, § 355 Abs. 2 S. 2 BGB). Ähn­li­che Frist­re­ge­lun­gen zu an­de­ren wi­der­ruf­li­chen Ver­trä­gen fin­den sich in den §§ 356a ff. BGB.
  • Nur wenn keine die­ser Aus­nah­men ein­greift, kann auf § 355 Abs. 2 S. 2 BGB zu­rück­ge­grif­fen wer­den: Da­nach be­ginnt die Frist mit Ver­tragsschluss. Ab­wei­chende Ver­ein­ba­run­gen zu­guns­ten (nicht: zu­las­ten, § 361 Abs. 2 S. 1 BGB) des Ver­brau­chers sind aber zu­läs­sig.

Las­sen Sie sich nicht ver­wir­ren: Auch wenn die Frist (etwa man­gels Be­leh­rung) noch gar nicht be­gon­nen hat, darf wi­der­ru­fen wer­den! Der Frist­be­ginn ist nur für die Be­rech­nung des Fris­ten­des maß­geb­lich.

Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).
32


Grundkurs Bürgerliches Recht (2024/2025) lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.