7. Ka­pi­tel: Ver­tragsbe­en­dende Ge­stal­tungs­rechte

C. Was ist ein "Wi­der­ruf" (§ 355 BGB)?

Nach § 355 Abs. 1 S. 1 BGB sind bei Aus­übung ei­nes Ver­brau­cherwi­der­rufs­rechts beide Par­teien des wi­der­ru­fe­nen Ver­trags nicht mehr an ihre Wil­lens­er­klä­rungen ge­bun­den. An­ders als die An­fech­tung (§ 142 Abs. 1 BGB) hin­dert dies aber nicht rück­wir­kend das Ent­ste­hen des Schuld­ver­hält­nisses, son­dern wirkt "ex nunc": Es kann nicht mehr Er­fül­lung ver­langt wer­den; die Rück­ab­wick­lung be­reits er­brach­ter Leis­tungen er­folgt nach § 355 Abs. 3 BGB und den §§ 357 ff. BGB - nicht etwa nach §§ 812 ff. BGB. Un­be­rührt blei­ben al­ler­dings Rück­sicht­nah­me­pflich­ten (§ 241 Abs. 2 BGB).

Ein ty­pi­scher An­fän­ger­feh­ler ist es, die Wi­der­rufsrechte nach § 130 Abs. 1 S. 2 BGB und nach § 355 BGB zu ver­wech­seln - diese ha­ben nichts mit­ein­an­der zu tun!

Um fest­zu­stel­len, ob der Ver­brau­cher ein Wi­der­rufsrecht aus­üben kann, bie­tet sich fol­gen­des Prü­fungs­schema an:

I. Vor­lie­gen ei­nes ent­gelt­li­chen Ver­brau­cher­ver­trages (§ 312 Abs. 1 BGB iVm § 310 Abs. 3 BGB)

II. Keine Aus­nahme nach § 312 Abs. 2 BGB

III. Vor­lie­gen ei­nes Wi­der­rufsgrun­des (§ 312g BGB)

1. Au­ßer­halb von Ge­schäfts­räu­men ge­schlos­se­ner Ver­trag (§ 312b BGB)

2. Fern­ab­satz­ver­trag (§ 312c BGB)

3. Ver­brau­cherdar­le­hens­ver­trag (§ 495 Abs. 1 BGB)

4. Ra­ten­lie­fe­rungs­ver­trag (§ 510 Abs. 2 BGB)

5. Teil­zeit­wohn­rech­te­ver­trag, Ver­trag über ein lang­fris­ti­ges Ur­laub­spro­dukt, Ver­mitt­lungs­ver­trag, Tausch­sys­tem­ver­trag (§ 485 BGB)

6. Ver­brau­cherbau­ver­trag (§ 650l S. 1 BGB)

IV. Wi­der­rufser­klä­rung (§ 355 Abs. 1 S. 2 - S. 4 BGB)

V. Wi­der­rufsfrist (§ 355 Abs. 1 S. 5, Abs. 2 BGB, §§ 356 ff. BGB)

VI. Rechts­folge: Rück­ab­wick­lung (§ 355 Abs. 3 BGB, §§ 357 ff. BGB)

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