III. Was ist un­ter dem Punkt "in frem­dem Na­men" zu dis­ku­tie­ren?

3. Was gilt bei Han­deln "un­ter" frem­dem Na­men?

In man­chen Fäl­len gibt der Ver­tre­ter nicht zu er­ken­nen, dass er selbst eine an­dere Per­son als der Ver­pflich­tete ist, in­dem er sei­nen ei­ge­nen Na­men nicht nennt, son­dern nur den­je­ni­gen der an­de­ren Per­son.

Anna-Mül­ler (A) bucht für sich eine Suite im Ho­tel des B. Im te­le­fo­ni­schen Ge­spräch be­haup­tet sie ge­gen­über B, dass ihr Name Ste­fani Jo­anne An­ge­lina Ger­ma­notta sei. B, der ein großer Mu­sik­lieb­ha­ber ist, as­so­zi­iert den Na­men so­gleich rich­tig und geht da­von aus, mit Lady Gaga per­sön­lich zu spre­chen.

Sie müs­sen für die Fall­lö­sung nun fol­gen­der­ma­ßen un­ter­schei­den:

  • Wenn es dem Ge­schäfts­geg­ner dar­auf an­kommt, wer durch das ab­ge­schlos­sene Rechts­ge­schäft be­rech­tigt oder ver­pflich­tet wird, fin­den §§ 164 ff. BGB auch bei di­rek­ter Nen­nung des Ver­tre­te­nen (ohne Ver­tre­terzu­satz) ent­spre­chende An­wen­dung. Das Han­deln un­ter frem­dem Na­men (I­den­ti­täts­täu­schung) wird wie ein Han­deln in frem­dem Na­men im Sinne von § 164 BGB be­han­delt, weil in bei­den Fäl­len der ei­gent­lich Ver­pflich­tete zu­tref­fend an­ge­ge­ben wird. Hat der Na­mens­trä­ger den Han­deln­den nicht vor­her er­mäch­tigt (etwa bei Be­trug, § 263 StGB, oder Ur­kundenfäl­schung, § 267 StGB), fin­det § 177 BGB (Ge­neh­mi­gungsmög­lich­keit) und § 179 BGB (Haf­tung des mut­maß­li­chen Ver­tre­ters) An­wen­dung. Das be­deu­tet: Der wahre Na­mens­in­ha­ber kann ge­neh­mi­gen (be­achte aber § 180 BGB bei ein­sei­ti­gen Rechts­ge­schäften!). Da­von un­be­rührt blei­ben Scha­denser­satzan­sprü­che ge­gen den ver­meint­li­chen Na­mens­trä­ger.

Für das Ein­gangs­bei­spiel gilt: Wenn B für A nur des­halb ein Zim­mer zur Ver­fü­gung stel­len will, weil er glaubt, dass es sich bei A um Lady Gaga han­delt, kann ein Ver­trag al­lein mit der ech­ten Lady Gaga (die da­von gar nichts weiß!) zu­stande kom­men. Will diese das Zim­mer nicht, kann B die A nach § 179 Abs. 1 BGB auf Scha­denser­satz in An­spruch neh­men.

Wei­te­res Bei­spiel: A bie­tet bei ei­ner In­ter­net-Auk­tion un­ter der Ken­nung ("Mit­glieds­na­me") des B. Der Ver­trag kommt mit B zu­stande (weil die­ser auch für die an­de­ren Be­tei­lig­ten als Bie­ter, d.h. als po­ten­ti­elle Ver­tragspar­tei auf­trit­t). Ähn­lich ist es, wenn die Se­kre­tä­rin mit ei­nem Fak­si­mile-Stem­pel für ih­ren Chef einen Ver­trag un­ter­zeich­net oder ein An­ge­stell­ter sich auf des­sen Wunsch als sein Chef aus­gibt und für die­sen ein Ho­tel­zim­mer bucht.

  • Will der Ge­schäfts­part­ner statt­des­sen mit der­je­ni­gen Per­son, die vor ihm steht, einen Ver­trag schlie­ßen und ist für ihn die Iden­ti­tät des Han­deln­den ir­re­le­vant ("Na­men sind Schall und Rauch"), so wird der Han­delnde selbst Ver­tragspar­tei, d.h. es liegt ein Ei­gen­ge­schäft vor. Auf die §§ 164 ff. BGB kommt es nicht an. Es han­delt sich um eine bloße Na­men­stäu­schung.

Für das Ein­gangs­bei­spiel gilt: Wäre B egal, dass A gar nicht Lady Gaga ist, son­dern möchte er nur seine Zim­mer ver­mie­ten, egal an wen, kommt der Ver­trag mit A zu­stan­de.

Wei­te­res Bei­spiel: Der ver­hei­ra­tete B checkt mit sei­ner Ge­lieb­ten un­ter dem Na­men "C" in ei­nem Ho­tel ein und zahlt so­fort. Der Ver­trag kommt mit B, nicht etwa mit "C" zu­stande (der noch nicht ein­mal exis­tie­ren muss!).

Wich­tig: Es kommt also auf den ob­jek­ti­ven Emp­fän­ger­ho­ri­zont im Rah­men der Aus­le­gung nach § 133 BGB, § 157 BGB an, ob der Han­delnde oder der Na­mens­trä­ger be­rech­tigt bzw. ver­pflich­tet wer­den soll. Kein Han­deln un­ter frem­dem Na­men und auch keine Na­men­stäu­schung liegt dem­nach vor, wenn eine Per­son ein Pseud­onym bzw. einen Künst­ler­na­men ver­wen­det.

Ruft tat­säch­lich Lady Gaga bei B an und bucht ein Zim­mer für sich, dür­fen Sie die §§ 164 ff. BGB kei­nes­falls her­an­zie­hen.
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