G. Wie wird eine Wil­lens­er­klä­rung wirk­sam?

I. Was sind (nicht) emp­fangs­be­dürf­tige Wil­lens­er­klä­rungen?

Al­lein das Vor­lie­gen des äu­ße­ren und in­ne­ren Tat­be­stands ei­ner Wil­lens­er­klä­rung ge­nügt nicht, da­mit diese wirk­sam wird. Das Ge­setz re­gelt in § 130 Abs. 1 S. 1 BGB aus­drück­lich das Wirk­sam­wer­den emp­fangs­be­dürf­ti­ger Wil­lens­er­klä­rungen durch Zu­gang. Daraus folgt im Um­kehrschluss, dass es auch nicht emp­fangs­be­dürf­tige Wil­lens­er­klä­rungen gibt, die auch ohne die­sen Zu­gang wirk­sam wer­den:

  • Empfangs­be­dürf­tige Wil­lens­er­klä­rungen wer­den mit Ab­gabe und Zu­gang der Er­klä­rung wirk­sam.
  • Nicht emp­fangs­be­dürf­tige Wil­lens­er­klä­rungen wer­den al­lein durch die Ab­gabe wirk­sam.

Gem. § 130 Abs. 1 S. 1 BGB ist eine Wil­lens­er­klä­rung emp­fangs­be­dürf­tig, wenn sie zu ih­rer Wirk­sam­keit ei­nem an­de­ren ge­gen­über ab­zu­ge­ben ist.

Empfangs­be­dürf­tig sind der An­trag auf Ab­schluss ei­nes Ver­trages (§ 145 BGB), die An­fech­tungs­er­klä­rung (§ 143 Abs. 1 BGB) oder die Kün­di­gungser­klä­rung im Hin­blick auf ein Miet­ver­hält­nis (§ 542 Abs. 1 BGB). Die An­nahme ei­nes An­trags auf Ver­tragsschluss (§§ 147 ff. BGB) ist grund­sätz­lich emp­fangs­be­dürf­tig, eine Aus­nahme sieht § 151 S. 1 BGB vor (dazu spä­ter).

Eine nicht emp­fangs­be­dürf­tige Wil­lens­er­klä­rung liegt vor, wenn sich aus dem Re­ge­lungs­zu­sam­men­hang oder ei­ner aus­drück­li­chen Vor­schrift er­gibt, dass ihre Wirk­sam­keit nicht vom Zu­gang ab­hängt. Die Empfangs­be­dürf­tig­keit ist der Re­gel­fall.

Nicht emp­fangs­be­dürf­tig sind etwa die Er­klä­rung, durch wel­che das Ei­gen­tum an ei­ner be­weg­li­chen Sa­che auf­ge­ge­ben wird (De­re­lik­tion, § 959 BGB), die Er­klä­rung, durch wel­che ein Te­sta­ment er­rich­tet wird (§ 2247 BGB) oder die Aus­lo­bung (§ 657 BGB).

Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).
32


Grundkurs Bürgerliches Recht (2024/2025) lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.