I. Ist das Un­ter­las­sen der An­nahme ei­ner an­ge­bo­te­nen Leis­tung eine Pf­licht­ver­let­zung?

Was sind "Ob­lie­gen­heiten"?

Eine Ob­lie­gen­heit ist keine Pf­licht - sie ist nicht ein­klag­bar (an­ders als Leis­tungspflich­ten nach § 241 Abs. 1 BGB) und selbst bei ei­ner Ver­let­zung ent­steht kein An­spruch auf Scha­denser­satz (an­ders als bei Rück­sicht­nah­me­pflich­ten nach § 241 Abs. 2 BGB). Al­ler­dings muss der­je­ni­ge, der eine Ob­lie­gen­heit ver­letzt, da­mit rech­nen, dass er Rechte ver­liert bzw. zu­min­dest seine Po­si­tion sich in der Folge ver­schlech­tert.

Eine Ob­lie­gen­heit ist eine An­for­de­rung an ein Ver­hal­ten, de­ren Nicht­er­fül­lung ne­ga­tive Kon­se­quen­zen für die be­tref­fende Per­son hat.

Die wich­tigs­ten ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ten Ob­lie­gen­heiten sind:

  • die Scha­densmin­de­rungs­ob­lie­gen­heit (§ 254 Abs. 2 BGB),
  • der An­nah­me­ver­zug§ 293 ff. BGB),
  • das Er­for­der­nis ei­ner Frist­set­zung vor Rück­tritt (§ 323 BGB) oder Scha­denser­satz statt der Leis­tung (§ 281 BGB),
  • das Er­for­der­nis ei­ner Mah­nung vor Ver­zug (§ 286 Abs. 1 BGB),
  • die Un­ter­su­chungs- und Rü­geob­lie­gen­heit beim beid­sei­ti­gen Han­dels­kauf (§ 377 HGB)

Da­ne­ben kön­nen die Par­teien ver­trag­lich Ob­lie­gen­heiten be­grün­den und die Kon­se­quen­zen aus­ge­stal­ten. In der Klau­sur müs­sen Sie sich bei ei­ner Ver­tragsklau­sel stets fra­gen, ob eine Ver­let­zung (auch) zu Scha­denser­satzan­sprü­chen (§ 280 BGB) füh­ren, also eine echte Pf­licht be­grün­det wer­den soll, oder sich die Kon­se­quen­zen auf einen Rechts­ver­lust bzw. eine Er­schwe­rung der Durch­set­zung be­schrän­ken kann (und soll). Dies ist nach § 133 BGB und § 157 BGB durch Aus­le­gung zu er­mit­teln.

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