3. Was be­deu­tet das Er­for­der­nis "Ei­nig­s­ein zum Zeit­punkt der Über­gabe"?

Fall: Wirkt das Ei­ni­gungsan­ge­bot nach To­des­fall wei­ter­hin fort?

W über­gibt L eine teure Kom­mo­de. Die­ser solle die Kom­mode Ws Freund F über­brin­gen, da er dem F die Kom­mode schen­ken wol­le. W stirbt we­nige Tage spä­ter an ei­nem Herz­in­farkt. L über­bringt F nun die Kom­mo­de. Nun­mehr er­fährt der Erbe Z spä­ter da­von und ver­langt die Sa­che von F her­aus.
Lö­sungs­vor­schlag
Z müsste ge­gen F einen An­spruch auf Her­aus­gabe der Kom­mode ha­ben.
A. An­spruch des Z ge­gen F aus § 985 BGB
Z könnte ge­gen F einen An­spruch aus § 985 BGB auf Her­aus­gabe der Kom­mode ha­ben.
I. Ei­gen­tum des Z
Mit dem Tod des W ist Z nach § 1922 BGB Ei­gen­tü­mer der Kom­mode ge­wor­den, weil Er­b­las­ser W noch Ei­gen­tü­mer war. Im Zeit­punkt des Erb­falls war das Ei­gen­tum noch nicht auf F über­tra­gen wor­den.
II. Ei­gen­tumsüber­tra­gung des Z an F gem. § 929 S. 1 BGB
Z könnte je­doch gem. § 929 S. 1 BGB das Ei­gen­tum an F nach dem Erb­fall ver­lo­ren ha­ben.
1. Ei­ni­gung zwi­schen W und F
W und F müss­ten sich über die Ei­gen­tumsüber­tra­gung ge­ei­nigt ha­ben, die auch noch nach dem Tod des W ge­gen­über Z wirkt.
a) Ei­ni­gungsan­ge­bot
W hat ein Ei­gen­tumsan­ge­bot ab­ge­be­ben, wel­ches L an F als Bote über­brin­gen soll­te.
b) Wi­der­ruf des Ei­ni­gungsan­ge­bots
Das Ei­ni­gungsan­ge­bot des W wirkt auch noch für den Er­ben Z fort, da es mit dem Tod des W nicht er­lo­schen ist gem. § 130 Abs. 2 Var. 1 BGB. Der Erbe Z hat das An­ge­bot nicht vor des­sen Zu­gang bei E wi­der­ru­fen, § 130 Abs. 1 S. 2 BGB. Der Bote L hat F das Ei­ni­gungsan­ge­bot dem­nach wirk­sam über­bracht. Der Tod des W steht der An­nah­me­fä­hig­keit des An­ge­bot nach § 153 BGB auch nicht ent­ge­gen. F hat das An­ge­bot an­ge­nom­men. Der Zu­gang der An­nah­me­er­klä­rung war gem. § 151 S. 1 ent­behr­lich. Folg­lich liegt eine wirk­same Ei­ni­gung zwi­schen W und F vor, an die der Erbe Z ge­bun­den ist.
c) Wi­der­ruf der Ei­ni­gung
Auch ist die Ei­ni­gung nicht vor der Über­gabe wi­der­ru­fen wor­den. Ei­ni­gung und Über­gabe fal­len hier zeit­gleich zu­sam­men, so­dass es auf den Wi­der­ruf der Ei­ni­gung nicht an­kommt.
2. Über­gabe
W müsste die Kom­mode an F über­ge­ben ha­ben. F hat Be­sitz an der Kom­mode er­langt, dies ge­schah auch auf Ver­an­las­sung des Ver­äu­ße­rers Z. Ebenso wie das Ei­ni­gungsan­ge­bot muss sich Z die Ver­an­las­sung durch den Er­b­las­ser W nach des­sen Tod zu­rech­nen las­sen. Auch hat Z jeg­li­che Be­sitzpo­si­tion an der Kom­mode ver­lo­ren. Z ist gem. § 857 BGB in die Be­sitzpo­si­tion des W als mit­tel­ba­rer Be­sitzer ein­ge­tre­ten. Nach der Über­tra­gung des un­mit­tel­ba­ren Be­sitzes von L auf F hat er diese be­sitz­recht­li­che Po­si­tion wie­der ver­lo­ren.
3. Be­rech­ti­gung des W
Vor sei­nem Tod han­delte W als Ei­gen­tü­mer der Kom­mode auch mit Be­rech­ti­gung. Der Ei­gen­tumswech­sel ist nach § 929 S. 1 BGB er­folgt. Ein An­spruch des Z ge­gen F auf Her­aus­gabe der Kom­mode aus § 985 BGB schei­det aus.
B. An­spruch des Z ge­gen F aus § 812 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 BGB
Z könnte ge­gen F einen An­spruch aus § 812 Abs. 1 S. 1 Var. 1 BGB auf Her­aus­gabe der Kom­mode ha­ben.
I. Et­was er­langt durch Leis­tung
F hat Ei­gen­tum und Be­sitz an der Kom­mode durch Leis­tung des Er­ben Z er­langt. Die Er­klä­rung des Er­b­las­sers W muss sich Z zu­rech­nen las­sen.
II. Ohne Rechts­grund

Der Erbe Z ist man­gels Wi­der­rufs an das vom Er­b­las­ser W ent­ge­gen § 518 Abs. 1 ab­ge­ge­bene Schen­kungs­ver­spre­chen ge­bun­den (§ 130 Abs. 2 BGB). F hat das An­ge­bot auch an­ge­nom­men, so­dass zwi­schen Z und F ein Schen­kungs­ver­trag ab­ge­schlos­sen wor­den ist.

Der Form­man­gel nach § 518 Abs. 1 BGB - das Schen­kungs­ver­spre­chen muss no­ta­ri­ell be­ur­kun­det wer­den - wurde gem. § 518 Abs. 2 BGB durch Be­wir­kung der ver­spro­che­nen Leis­tung, hier durch die Über­gabe, ge­heilt. Ein Rechts­grund liegt folg­lich vor.

Er­geb­nis
Z hat kei­nen An­spruch ge­gen F aus § 812 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 BGB auf Her­aus­gabe der Kom­mo­de.
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