A. Was ist "Be­sitz"?

II. Was ist "mit­tel­ba­rer Be­sitz"?

Beim mit­tel­ba­ren Be­sitz (§ 868 BGB) übt der un­mit­tel­bare Be­sit­zer (sog. Be­sitz­mitt­ler) die tat­säch­li­che Sach­herr­schaft für einen Drit­ten (sog. mit­tel­ba­rer Be­sitzer) auf­grund ei­nes Rechts­ver­hält­nis­ses aus.

Für den Er­werb des mit­tel­ba­ren Be­sitzes sind drei Voraus­set­zun­gen er­for­der­lich:

  1. kon­kre­tes - auch un­wirk­sa­mes - Rechts­ver­hält­nis iSv § 868 BGB (sog. Be­sitz­mitt­lungs­ver­hält­nis) - insb. Mie­te, Lei­he, Ver­wah­rung, Pacht, Si­che­rungs­a­b­rede
  2. Fremd­be­sit­zer­willen des Be­sitz­mitt­lers zu­guns­ten des Ober­be­sit­zers (arg. § 872 BGB)
  3. wirk­sa­mer Her­aus­ga­be­an­spruch des Ober­be­sit­zers ge­gen den Be­sitz­mitt­ler (z.B. § 546 BGB, § 812 Abs. 1 S. 1, 1. Var. BGB - nicht aber § 985 BGB)

Im Rah­men des mit­tel­ba­ren Be­sitzes sind also min­des­tens zwei Be­sit­zer vor­han­den:

  • Der Be­sitz­mitt­ler, der die tat­säch­li­che Sach­herr­schaft mit Fremd­be­sit­zer­willen für den mit­tel­ba­ren Be­sit­zer aus­übt, hat zwar die tat­säch­li­che Sach­herr­schaft, aber ord­net sich frei­wil­lig ei­nem an­de­ren un­ter.
  • Der mit­tel­bare Be­sit­zer, für den der Be­sitz­mitt­ler die Sach­herr­schaft aus­übt, ist zwar Ei­gen­be­sit­zer, hat aber keine un­mit­tel­bare Sach­herr­schaft.

Mög­lich ist auch ein ge­stuf­ter mit­tel­ba­rer Be­sitz:

V ver­mie­tet seine Woh­nung an M, wel­cher sie an U un­ter­ver­mie­tet. U ist un­mit­tel­ba­rer Be­sitzer und mit­telt M den Be­sitz, M mit­telt wie­derum V den Be­sitz.

Wich­tig ist die Un­ter­schei­dung von Be­sitz­mitt­ler und Be­sitz­die­ner im Sinne von § 855 BGB. Der Be­sitz­die­ner ist auf­grund des so­zia­len Ab­hän­gig­keits­ver­hält­nis­ses den Wei­sun­gen des Ge­schäfts­herrn un­ter­wor­fen. Er hat selbst kei­nen Be­sitz; al­lein der Ge­schäfts­herr ist Be­sit­zer.

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