Ist die GbR "rechts­fä­hige Per­so­nen­ge­sell­schaft" (§ 14 Abs. 2 BGB)?

1. Wie wird die GbR vor Ge­richt be­han­delt?

Selbst­kon­trol­l­auf­ga­be:

Da die Fä­hig­keit, Klä­ger oder Be­klag­ter in ei­nem Pro­zess zu sein ("Partei­fä­hig­keit") von der Rechts­fä­hig­keit ab­hängt (§ 50 ZPO) ist die GbR par­tei­fä­hig. Sie kann also kla­gen und ver­klagt wer­den. Pro­bleme stel­len sich dann aber, wenn man ge­gen die un­ter­lie­gende GbR die Zwangs­voll­stre­ckung be­trei­ben will: Nach § 736 ZPO wäre zur Ver­wer­tung des Ge­sell­schafts­ver­mö­gens ein "ein ge­gen alle Ge­sell­schaf­ter er­gan­ge­nes Ur­teil" er­for­der­lich. Wurde aber die GbR ver­klagt, rich­tet sich das Ur­teil ge­rade nicht ge­gen die Ge­sell­schaf­ter, son­dern ge­gen die Ge­sell­schaft.

Was gilt, wenn gar kein Ge­sell­schaf­ter, son­dern nur die Ge­sell­schaft ver­klagt wur­de? Kann man die­ses Ur­teil etwa nicht (also we­der ge­gen die Ge­sell­schaft, noch ge­gen ihre Ge­sell­schaf­ter) zwangs­weise durch­set­zen?

Ant­wort (bitte ankli­cken)

Sinn des § 736 ZPO ist, dass ein Pri­vat­gläu­bi­ger ei­nes Ge­sell­schaf­ters nicht auf das nur al­len Ge­sell­schaf­tern ge­mein­sam (§ 719 BGB) zu­ste­hende Ge­sell­schafts­ver­mö­gen zu­grei­fen darf (son­dern nur den je­wei­li­gen An­teil des Ge­sell­schaf­ters pfän­den kann).

V ver­kauft K eine Vase für 500 €. K zahlt den Kauf­preis nicht, wor­auf­hin V den K ver­klagt. Ist K nun bis auf einen An­teil an ei­ner GbR ver­mö­gens­los, darf V nicht etwa in das Ver­mö­gen der GbR voll­stre­cken. Er kann nur den An­spruch auf den Ge­winnan­teil (§ 717 S. 2 BGB) pfän­den und sich über­wei­sen las­sen (§ 851 ZPO) oder aber den gan­zen Ge­schäfts­an­teil pfän­den und sich über­wei­sen las­sen und dann die Ge­sell­schaft kün­di­gen (§ 724 Abs. 1 BGB) um den Aus­ein­an­der­set­zungs­er­lös zu er­lan­gen.

Wenn aber die Ge­sell­schaft ver­klagt wur­de, geht es nicht um eine sol­che Pri­vat­for­de­rung ei­nes Ge­sell­schaf­ters. Es ist nur kon­se­quent, dass das Ver­mö­gen der Ge­sell­schaft für die Schul­den der Ge­sell­schaft haf­tet. Zur Voll­stre­ckung we­gen ei­ner Ver­bind­lich­keit der GbR in das Ver­mö­gen der GbR ge­nügt da­her ein Ti­tel ge­gen die Ge­sell­schaft als sol­che.

Et­was an­de­res gilt, wenn man in das Pri­vat­ver­mö­gen ei­nes (ana­log § 128 S. 1 HGB ak­zes­so­risch haf­ten­den) Ge­sell­schaf­ters voll­stre­cken will: Dann muss man die­sen di­rekt ver­kla­gen (§ 124 Abs. 2 HGB).

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