2. Wel­che In­halte muss oder soll die Sat­zung ha­ben?

a. Kon­troll­fra­ge: Wo en­det die Sat­zungsau­to­no­mie?

Im Ve­rein gilt weit­ge­hende Ge­stal­tungs­frei­heit.

Wel­chen Hin­ter­grund hat diese Frei­heit und wel­che Gren­zen be­ste­hen für diese sog. "Sat­zungsau­to­no­mie" (Hin­weis: Den­ken Sie an das Ver­fas­sungs­recht!)?

Ant­wort (bitte ankli­cken)

Die Ge­stal­tung von Ve­reinen wird grund­sätz­lich nicht durch den Staat vor­ge­ge­ben, son­dern steht zur Dis­po­si­tion der Ve­reinsgrün­der bzw. spä­ter der qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit der Mit­glie­der. Eine rich­ter­li­che Kon­trolle er­folgt nur in ein­ge­schränk­tem Um­fang.

Auf­grund der grund­recht­li­chen Ve­reinigungs­frei­heit (Art. 9 Abs. 1 GG), bei den Ka­pi­tal­ge­sell­schaften zu­dem der eu­ro­pa­recht­li­chen Nie­der­las­sungs­frei­heit (Art. 49 AEUV) be­dür­fen Be­schrän­kun­gen die­ser Sat­zungsfrei­heit ei­ner Recht­fer­ti­gung durch schutz­wür­di­ge, über­ge­ord­nete In­ter­es­sen. Dazu ge­hö­ren etwa Gläu­bi­ger­schutz, Min­der­hei­ten­schutz und Ar­beit­neh­mer­schutz.

Prak­ti­sche Gren­zen fin­det die Ge­stal­tungs­ho­heit in drei Fäl­len:

  • Zu­nächst be­steht ein ge­sell­schafts­recht­li­cher Ty­pen­zwang: Ein ein­ge­tra­ge­ner Ve­rein darf in sei­ner Sat­zung nicht an­kün­di­gen, wirt­schaft­li­che Zwe­cke zu ver­fol­gen (§ 21 BGB).

  • Zu­dem sind alle in § 40 BGB nicht ge­nann­ten Re­ge­lun­gen zwin­gend; kön­nen also nicht durch die Sat­zung ab­be­dun­gen wer­den.

  • Schließ­lich gel­ten all­ge­meine Ge- und Ver­bote (§ 134 BGB) so­wie die Grund­sätze von Treu und Glau­ben (§ 138 BGB, § 242 BGB) auch für die Sat­zung.

  • Bei Ver­trags­stra­fen in Ve­reinssat­zun­gen sind fer­ner die Grund­sätze der Rechts­staat­lich­keit un­ab­ding­bar, so­dass bspw. eine An­hö­rung zu er­fol­gen hat, be­vor eine Strafe ver­hängt wird.
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