3. Wel­che Re­gress­an­sprü­che ha­ben die in An­spruch ge­nom­me­nen Ge­sell­schaf­ter?

Fall: Dia­man­ten­fie­ber

Ge­sell­schaf­ter - Haf­tung - Re­gress

Fall: Dia­man­ten­fie­ber

A hatte mit der "Blo­feld-OHG" einen Ver­trag auf Lie­fe­rung von wert­vol­len Dia­man­ten ge­schlos­sen. Nach­dem die OHG we­der lie­fern konn­te, noch zu­künf­tig sol­vent ge­nug er­schien, nahm der A den Ge­sell­schaf­ter B nach § 280 Abs. 1, Abs. 3 , § 281 BGB i.V.m. § 128 HGB auf Scha­denser­satz in An­spruch. B ist der Mei­nung, für die an­de­ren nicht den Kopf al­leine hin­hal­ten zu müs­sen und ver­langt von der Ge­sell­schaft so­wie sei­nem Mit­ge­sell­schaf­ter J Aus­gleich. Zu Recht?
Lö­sungs­vor­schlag

Es ist zwi­schen den Er­stat­tungs­an­sprü­chen ge­gen die OHG und den­je­ni­gen ge­gen die Mit­ge­sell­schaf­ter zu un­ter­schei­den.

A. Aus­gleichs­an­spruch ge­gen die Blo­feld-OHG
B könnte einen Er­stat­tungs­an­spruch ge­gen die Blo­feld-OHG aus § 110 HGB ha­ben.
I. Auf­wen­dun­gen?

Auf­wen­dun­gen sind frei­wil­lige Ver­mö­gen­sop­fer. Seine Zah­lung er­folgte zwar nicht frei­wil­lig in dem Sinne ei­ner Wahl­mög­lich­keit, aber ohne Ver­pflich­tung aus dem Ge­sell­schafts­ver­trag.

II. Zwi­schen­er­geb­nis

Da­mit hat B einen An­spruch aus § 110 HGB (ana­log) auf Auf­wen­dungs­er­satz zzgl. Ver­zin­sung.

B. Aus­gleichs­an­spruch ge­gen J
Ein An­spruch des B ge­gen J könnte sich ei­ner­seits aus § 110 HGB i.V.m. § 128 HGB, an­de­rer­seits aus § 426 Abs. 2 BGB er­ge­ben.
I. An­spruch des B ge­gen J aus § 110 HGB i.V.m. § 128 HGB

B ist der OHG ge­gen­über Gläu­bi­ger ei­ner For­de­rung aus § 110 HGB. Frag­lich ist al­ler­dings, ob die Ge­sell­schaf­ter ge­mäß § 128 HGB auch ak­zes­so­risch für Ver­bind­lich­kei­ten im In­nen­ver­hält­nis haf­ten. § 110 HGB ver­pflich­tet aus­drück­lich nur die Ge­sell­schaft.

1. Ak­zes­so­ri­sche Haf­tung für Zah­lun­gen an Gläu­bi­ger gem. § 128 HGB?

Es han­delt sich tat­säch­lich um Aus­gleichs­pflich­ten im In­nen­ver­hält­nis. Da­ne­ben be­steht ge­mäß § 105 Abs. 3 HGB i.V.m. § 707 BGB keine Nach­schuss­pflicht. Würde § 128 HGB hier­auf an­ge­wen­det wer­den, käme es in­di­rekt zu ei­ner Nach­schuss­pflicht. Die Lö­sung die­ser Frage ist um­strit­ten und ent­schei­det sich wohl da­nach, wie man „Gläubiger“ in § 128 S. 1 HGB aus­legt. Da­ne­ben könnte man in ei­nem Um­kehrschluss zu § 128 S. 2 HGB dazu kom­men, dass die ak­zes­so­ri­sche Haf­tung zwar nicht ge­gen­über Drit­ten, aber ge­gen Ge­sell­schaf­ter für So­zi­al­ver­bind­lich­keiten be­schränkt wer­den kann. Dann aber müsste § 128 S. 1 HGB grund­sätz­lich auch auf Ver­bind­lich­kei­ten im In­nen­ver­hält­nis An­wen­dung fin­den.

Es er­scheint über­zeu­gen­der, we­gen § 707 BGB den § 128 HGB nicht auf Ver­bind­lich­kei­ten der Ge­sell­schaft im In­nen­ver­hält­nis an­zu­wen­den. Im Üb­ri­gen bleibt dem B nach In­an­spruch­nahme durch den Gläu­bi­ger der Blo­feld-OHG aus § 128 HGB nicht nur ein Aus­gleichs­an­spruch ge­gen die Ge­sell­schaft aus § 110 HGB, son­dern ggf. auch aus § 128 HGB iVm der Ge­samt­schuld ge­gen die üb­ri­gen Ge­sell­schaf­ter.

2. Zwi­schen­er­geb­nis

Da­her be­steht kein An­spruch des B ge­gen J aus § 110 HGB i.V.m. § 128 HGB.

II. Aus­gleichs­an­spruch aus § 128 HGB i.V.m. § 426 Abs. 1 BGB

B wurde von A ge­mäß § 128 S. 1 HGB auf Zah­lung ei­ner Ge­sell­schafts­schuld in An­spruch ge­nom­men.

§ 128 S. 1 HGB ord­net eine ge­samt­schuld­ne­ri­sche Haf­tung der Ge­sell­schaf­ter an. Nach § 421 Abs. 1 HGB konnte A den B al­leine in An­spruch neh­men, die­ser hat aber ge­mäß § 426 Abs. 1 BGB einen Aus­gleichs­an­spruch ge­gen den an­de­ren Ge­sell­schaf­ter auf­grund der Ge­samt­schuld. Wenn keine an­dere ge­sell­schafts­ver­trag­li­che Re­ge­lung be­steht, ist bei zwei Ge­sell­schaf­tern ein hälf­ti­ger Aus­gleich ge­schul­det.

III. En­d­er­geb­nis

B kann so­wohl von der OHG in vol­ler Höhe als auch von sei­nem Mit­ge­sell­schaf­ter J ab­züg­lich sei­nes ei­ge­nen An­teils Aus­gleich ver­lan­gen.

Sie haben diese Seite  besucht (zuletzt ).
32


Gesellschaftsrecht lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.