II. Wie haf­tet die Ge­sell­schaft?

1. Haf­tet die GbR auch für un­ter­neh­me­ri­sche Alt­schul­den der Grün­der?

Oft ent­steht eine GbR durch Bei­tritt ei­ner Per­son zu ei­nem be­reits exis­tie­ren­den Ein­zel­un­ter­neh­men.

Ein Re­fe­ren­dar tritt als neuer Part­ner in die bis­her al­lein ge­führte Kanz­lei sei­nes Aus­bil­ders ein.

In die­sem Fall be­steht die Haf­tung des frü­he­ren Al­lein­un­ter­neh­mers für die Ver­bind­lich­kei­ten, die vor dem Bei­tritt be­grün­det wur­den, un­pro­ble­ma­tisch fort. Ob al­ler­dings auch die BGB-Ge­sell­schaft für diese Schul­den in An­spruch ge­nom­men wer­den kann, ist dem BGB nicht zu ent­neh­men.

Bei Grün­dung ei­ner OHG tritt die Ge­sell­schaft grund­sätz­lich den Ver­bind­lich­kei­ten des frü­he­ren Al­lein­un­ter­neh­mers bei (§ 28 Abs. 1 S. 1 HGB). Aus­ge­nom­men sind aber in je­dem Fall höchst­per­sön­li­che Ver­bind­lich­kei­ten, etwa Scha­denser­satz we­gen der Ver­let­zung der Be­ra­tungs­pflich­ten ei­nes An­walts.

In­wie­weit § 28 Abs. 1 S. 1 HGB für sons­tige Ver­bind­lich­kei­ten (Miet­schul­den, etc.) ent­spre­chend für die GbR her­an­ge­zo­gen wer­den kann, ist um­strit­ten.

Für eine ana­loge An­wen­dung spricht die Schutz­be­dürf­tig­keit des Gläu­bi­gers. Tritt ein Ge­sell­schaf­ter ei­ner be­ste­hen­den GbR bei, haf­tet er für Alt­schul­den der Ge­sell­schaft ge­mäß § 130 HGB ana­log. Da­her er­scheint es kon­se­quent, auch bei der Grün­dung ei­ner neuen GbR den Ge­sell­schaf­ter für Alt­schul­den der an­de­ren Ein­zel­un­ter­neh­mer haf­ten zu las­sen. Denn die Gläu­bi­ger sind in bei­den Fäl­len gleich schutz­be­dürf­tig.

Ge­gen eine ana­loge An­wen­dung von § 28 Abs. 1 S. 1 HGB spricht, dass die Haf­tung der GbR ver­schärft wür­de. Haf­tungs­er­leich­te­run­gen, wie sie nach § 28 Abs. 2 HGB ei­gent­lich mög­lich sind, kön­nen aber man­gels Re­gis­ter­fä­hig­keit der GbR nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­tra­gen wer­den, so­dass die GbR keine Ab­wei­chun­gen tref­fen könn­te.

Auch hier muss noch ein­mal deut­lich auf die Ex­amens­re­le­vanz hin­ge­wie­sen wer­den. Die Fra­ge, ob der im obi­gen Bei­spiel bei­tre­tende ehe­ma­lige Re­fe­ren­dar für die Alt­ver­bind­lich­kei­ten sei­nes Aus­bil­ders auf­kom­men muss wurde in NRW im No­vem­ber 2015 ge­prüft.

In dem Fall spricht ne­ben den oben ge­nann­ten Ar­gu­men­ten ge­gen eine ent­spre­chende An­wen­dung des § 28 Abs. 1 S. 1 HGB, dass die an­walt­li­che Man­da­tie­rung durch ein be­son­de­res Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu der Per­son des An­walts ge­kenn­zeich­net ist.
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