3. Wie läuft eine Haupt­ver­samm­lung ab?

d. Was gilt, wenn bei der Haupt­ver­samm­lung et­was schief geht?

Die Grund­züge des Be­schluss­män­gel­rechts, §§ 241 ff. AktG, kann man sich gut ein­prä­gen, in­dem man es mit dem Recht der feh­ler­haf­ten Ver­wal­tungs­akte ver­gleicht.

Die Haupt­ver­samm­lung, die einen Be­schluss trifft, ent­spricht in die­ser Sicht der Be­hör­de, die einen Ver­wal­tungs­akt er­lässt. Der Be­schluss und der Ver­wal­tungs­akt kön­nen bei schwe­ren Feh­lern nich­tig sein, § 241 AktG bzw. §§ 43 Abs. 3, 44 VwVfG, bei we­ni­ger schwe­ren Feh­lern an­fecht­bar, § 243 AktG bzw. § 42 Abs. 2 VwGO. Die Nich­tig­keit wird mit­tels ei­ner Fest­stel­lungs­klage gel­tend ge­macht, § 256 ZPO, § 249 AktG bzw. § 43 VwGO, die An­fecht­bar­keit mit­tels ei­ner An­fech­tungs­klage, § 246 AktG bzw. § 42 VwGO.

An­fech­tungs- und Nich­tig­keits­klage ha­ben den sel­ben Streit­ge­gen­stand. Wird eine Klage ge­prüft, die der Klä­ger nicht nä­her spe­zi­fi­ziert hat, muss so­wohl auf An­fech­tungs- als auch auf Nich­tig­keits­gründe ein­ge­gan­gen wer­den (etwa in der Schwer­punkt­klau­sur 2012). Zu be­ach­ten ist al­ler­dings, dass für die Gel­tend­ma­chung un­ter­schied­li­che Fris­ten gel­ten, so­dass die Klau­sur even­tu­ell da­nach zu struk­tu­rie­ren ist.

Die Un­ter­schei­dung zwi­schen An­fech­tungs- und Nich­tig­keits­klage sollte im Ak­tienrecht nicht über­pro­ble­ma­ti­siert wer­den. In ei­ner Klau­sur sollte dazu kein halb- oder mehr­sei­ti­ger Text­block ge­schrie­ben wer­den, wie es viele in der Schwer­punkt­klau­sur 2014 (Auf­gabe 3) ge­tan ha­ben.

Eine Hei­lung ge­wis­ser Feh­ler kommt gem. § 242 AktG bzw. § 45 VwVfG in Be­tracht (zu­dem sind Ein­be­ru­fungs­män­gel bei ei­ner Voll­ver­samm­lung gem. § 121 Abs. 6 AktG un­be­acht­lich, wenn nie­mand wi­der­spricht). Auch das Pro­blem der Wie­der­ho­lung der feh­ler­haf­ten Maß­nahme tritt in bei­den Rechts­ge­bie­ten gleich auf. Es müs­sen for­melle und ma­te­ri­elle Män­gel des Be­schlus­ses ge­prüft wer­den.

Eine Klage hat im Ver­wal­tungs­recht kraft Ge­setz auf­schie­bende Wir­kung, im Ak­tienrecht tritt eine fak­ti­sche Re­gis­ter­sperre ein, weil der Re­gis­ter­rich­ter die nö­tige Ein­tra­gung des Be­schlus­ses im Hin­blick auf die Klage ver­wei­gern wird. Dem kann die Be­hörde mit der An­ord­nung des So­fort­voll­zugs be­geg­nen, § 80 Abs. 2 S. 1 Nr. 4 VwGO, wo­hin­ge­gen die AG die Re­gis­ter­sperre mit­tels ei­nes Frei­ga­be­ver­fah­rens durch das Ge­richt auf­he­ben las­sen kann, § 246a AktG.

Bei dro­hen­dem fak­ti­schem Voll­zug steht dem Ak­tio­när der Weg des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes of­fen, § 935 ZPO, wie der Adres­sat des Ver­wal­tungs­akts auf § 80 Abs. 5 VwGO zu­rück­grei­fen kann.

In der Haupt­ver­samm­lung wird ein Be­schluss ge­fasst und ver­kün­det, dem eine un­rich­tige Stim­men­zäh­lung zu­grunde liegt. Nach ei­nem hal­ben Jahr kommt der wahre Sach­ver­halt ans Licht (bei rich­ti­ger Zäh­lung wäre der An­trag ab­ge­lehnt). Der Ak­tio­när A möchte dies im Wege der Fest­stel­lungs­klage ge­klärt ha­ben.

Diese feh­ler­hafte Be­schluss­ver­kün­dung ist ein we­sent­li­cher Ver­fah­rens­feh­ler, der nur mit der frist­ge­bun­de­nen An­fech­tungs­klage gel­tend ge­macht wer­den kann. Im vor­lie­gen­den Fall ist dies zu­min­dest gem. § 246 Abs. 1 AktG (Frist von 1 Mo­nat) nicht mehr mög­lich. Ak­tio­när A wäre zu­dem nur an­fech­tungs­be­fugt, wenn er in der Haupt­ver­samm­lung Wi­der­spruch zur Nie­der­schrift, § 245 Nr. 1 AktG, er­klärt hät­te.

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