II. Wie haf­ten Ge­schäfts­füh­rer?

1. Wie haf­ten die Ge­schäfts­füh­rer ge­gen­über der Ge­sell­schaft?

Bei ei­ner Pf­licht­ver­let­zung haf­ten die Ge­schäfts­füh­rer so­li­da­risch ge­gen­über der Ge­sell­schaft für den ent­stan­de­nen Scha­den, § 43 Abs. 2 Gm­bHG. Haf­tungs­maß­stab ist da­bei die "Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Ge­schäfts­man­nes". Da­bei hat er je­doch bei un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen, wie der Vor­stand der AG, einen ge­wis­sen Ent­schei­dungs­spiel­raum (Bu­si­ness Jud­ge­ment Rule vgl. § 93 Abs. 1 S. 2 AktG). Der Haf­tungs­maß­stab kann auch in der Sat­zung auf Vor­satz und grobe Fahr­läs­sig­keit be­schränkt wer­den.

Der An­spruch ist aus­ge­schlos­sen, wenn die Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung die Gel­tend­ma­chung nicht be­schließt (§ 46 Nr. 8 Gm­bHG) oder auf den An­spruch, ins­be­son­dere durch Ent­las­tung des Ge­schäfts­füh­rers, ver­zich­tet (§ 43 Abs. 3 S. 2 Gm­bHG, § 9b Gm­bHG).

Haf­tung aus § 43 Abs. 2 Gm­bHG:

  1. Pf­licht­ver­let­zung - Ver­let­zung ei­ner Or­gan­pflicht

  2. Ver­schul­den - Missach­tung der Sorg­falt ei­nes or­dent­li­chen Ge­schäfts­manns

  3. kau­sa­ler Scha­den

  4. kein Aus­schluss - insb. Wei­sung, Bil­li­gung, Ver­zicht

Als Pf­licht­ver­let­zun­gen kom­men vor al­lem Ver­stöße ge­gen die Pf­licht zur sorg­fäl­ti­gen Un­ter­neh­mens­lei­tung und Treue- und Loya­li­täts­pflich­ten in Be­tracht.

Bei­spiel zur Pf­licht zur sorg­fäl­ti­gen Un­ter­neh­mens­lei­tung:

Die M-GmbH pro­du­ziert Ma­schi­nen. Ein Sin­ken der Auf­trag­s­ein­gänge führt zu ei­ner un­ge­nü­gen­den Aus­las­tung der Fer­ti­gungs­ka­pa­zi­tä­ten. Die GmbH wirft dem Ge­schäfts­füh­rer S vor, hier­auf pflicht­wid­rig nicht recht­zei­tig rea­giert zu ha­ben und es ins­be­son­dere ver­säumt zu ha­ben, Kurz­ar­beit an­zu­mel­den. Da­durch sei der Ge­sell­schaft ein Scha­den in Form un­nö­ti­ger Lohn­kos­ten ent­stan­den.

Bei­spiel zu Treue- und Loya­li­täts­pflich­ten:

Ein Ge­schäfts­füh­rer über­trägt einen Miet­ver­trag über Räu­me, die die GmbH ge­winn­brin­gend un­ter­ver­mie­ten könn­te, auf eine dritte Ge­sell­schaft, de­ren Pro­ku­rist er ist. Eine Ge­gen­leis­tung an die GmbH wird hier­bei nicht ver­ein­bart.

Wei­ter­hin kann sich eine Haf­tung er­ge­ben aus falschen An­ga­ben bei der Grün­dung (§ 9a Gm­bHG), un­ge­setz­li­che Rück­zah­lung von Stamm­ein­lagen (§ 43 Abs. 3 i.V.m. § 33 Gm­bHG), Zah­lun­gen nach Ein­tritt der Zah­lungs­un­fä­hig­keit bzw. Fest­stel­lung der Über­schul­dung (§ 64 Gm­bHG a. F. i.V.m Art. 103m EGInsO und ab dem 01.01.2021: § 15b InsO).

Zu be­ach­ten ist stets, dass die Ge­schäfts­füh­rer gem. § 43 Abs. 2 Gm­bHG so­li­da­risch, d.h. ge­samt­schuld­ne­risch i.S.d. §§ 421 ff. BGB haf­ten. Dies setzt vor­aus, dass je­der Ge­schäfts­füh­rer den Haf­tungs­tat­be­stand des § 43 Abs. 2 Gm­bHG er­füllt.

Auf die dienst­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen darf bei Ver­let­zung der organ­schaft­li­chen Pf­lich­ten nicht zu­rück­ge­grif­fen wer­den.

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