I. Wie läuft eine GmbH-Neu­grün­dung ab?

1. Wie wird der Ge­sell­schafts­ver­trag ab­ge­schlos­sen?

Wie alle Ge­sell­schaf­ten er­for­dern GmbH bzw. UG (haf­tungs­be­schränkt) einen Ge­sell­schafts­ver­trag (§ 2 Abs. 1 Gm­bHG). Ab­wei­chend von den Grund­sät­zen des BGB AT kann die­ser "Ver­trag" auch von ei­ner ein­zi­gen Per­son ge­schlos­sen wer­den (Ein­per­so­nen-GmbH). Dann spricht man von ei­nem Or­ga­ni­sa­ti­ons­akt. For­mal gibt es zwei Va­ri­an­ten:

  1. Der Ge­sell­schafts­ver­trag ist gem. § 2 Abs. 1 Gm­bHG no­ta­ri­ell zu be­ur­kun­den (§ 128 BGB, §§ 6 ff. BeurkG). Da­bei müs­sen nicht alle zu­künf­ti­gen Ge­sell­schaf­ter gleich­zei­tig an­we­send sein. Sie kön­nen ihre Er­klä­run­gen so­gar vor ver­schie­de­nen No­ta­ren ab­ge­ben. Letzt­lich muss nur eine Ur­kunde von al­len Ge­sell­schaf­tern bzw. de­ren Ver­tre­tern un­ter­zeich­net sein (§ 2 Abs. 1 Gm­bHG). Es han­delt sich nicht um ein höchst­per­sön­li­ches Ge­schäft, wes­halb die Un­ter­zeich­nung durch Be­voll­mäch­tigte mög­lich ist. Al­ler­dings muss die Voll­macht - an­ders als nach dem Grund­satz des § 167 Abs. 2 BGB - no­ta­ri­ell er­rich­tet oder be­glau­bigt sein, § 2 Abs. 2 Gm­bHG.
  2. Statt ei­nes Do­ku­ments ist auch ein no­ta­ri­ell be­ur­kun­de­tes Grün­dungs­pro­to­koll nach ge­setz­li­chem Mus­ter (§ 2 Abs. 1a Gm­bHG) zu­läs­sig. Die­ses Ver­fah­ren ist ver­ein­facht und mög­li­cher­weise auch kos­ten­güns­ti­ger. Die­ses Ver­fah­ren ist so­mit also für ei­lige Grün­der in­ter­essant, da sie eine GmbHG un­ter Ver­wen­dung no­ta­ri­el­ler Mus­ter­pro­to­kolle grün­den kön­nen.
On­line-Grün­dung ab Au­gust 2022:
Nach dem neuen § 2 Abs. 3 S. 1 Gm­bHG kann die no­ta­ri­elle Beur­kun­dung der Bar­grün­dung der GmbH ab dem 1.8.2022 via Vi­deo­kom­mu­ni­ka­tion er­fol­gen (ab 1.8.2023 auch die Sach­grün­dung). Sel­bi­ges gilt für ein­stim­mige sat­zungs­än­dernde Be­schlüsse der Ge­sell­schaf­ter (§ 2 Abs. 3 S. 3 Gm­bHG idF durch das DiREG).
Hin­ter­grund: Nach Art. 13g Abs. 1 GesRRL soll ge­währ­leis­tet wer­den, dass die Grün­dung [der Gm­bH] voll­stän­dig on­line durch­ge­führt wer­den kann, ohne die per­sön­li­che/­physi­sche An­we­sen­heit der Grün­der oder An­trag­stel­ler vor der zu­stän­di­gen Stel­le. Den Mit­glied­staa­ten ist es aber gem. Art. 13g Abs. 4 Buchst. c GesRRL ge­stat­tet, No­tare und an­dere Per­so­nen oder Stel­len mit der Be­ar­bei­tung der On­li­ne­grün­dun­gen zu be­trau­en. Diese Re­ge­lung zielt dar­auf ab, die Grün­dung auf der Zeit- und Kos­te­ne­bene ef­fi­zi­en­ter aus­zu­ge­stal­ten und zu­gleich die Vor­züge der vor­beu­gen­den Rechts­pflege so­wie die Zu­ver­läs­sig­keit des Re­gis­ter­we­sens zu wah­ren.

Ein Form­ver­stoß führt zur Nich­tig­keit (§ 125 BGB), der durch form­ge­rechte Wie­der­ho­lung oder Ein­tra­gung ins Han­dels­re­gis­ter ge­heilt wird. Die Nich­tig­keits­klage (§ 75 Gm­bHG) be­zieht sich dem­ge­gen­über auf be­stimmte in­halt­li­che Feh­ler (keine Be­stim­mun­gen über die Höhe des Stamm­ka­pi­tals oder über den Ge­gen­stand des Un­ter­neh­mens oder sind die Be­stim­mun­gen des Ge­sell­schafts­ver­trags über den Ge­gen­stand des Un­ter­neh­mens nich­tig) und ist des­halb bei rei­nen Form­ver­stö­ßen un­be­grün­det.

A und B wol­len eine GmbH grün­den. Sie schlie­ßen einen schrift­li­chen Ge­sell­schafts­ver­trag und be­gin­nen mit den Ge­schäf­ten. Wer haf­tet (und wie) den Gläu­bi­gern?

Im vor­lie­gen­den Fall ist der Ge­sell­schafts­ver­trag for­m­nich­tig. Gem. § 2 Abs. 1 Gm­bHG ist der Ge­sell­schafts­ver­trag no­ta­ri­ell zu be­ur­kun­den, so­dass keine Vor-GmbH ent­stan­den ist. Dem­nach wurde vor­lie­gend le­dig­lich ein Per­so­nen­ge­sell­schaftsver­trag ge­schlos­sen. Die Folge ist, dass die Per­so­nen­ge­sell­schaft selbst und auch A und B gem. § 128 (ana­log) HGB per­sön­lich und un­be­schränkt haf­ten.

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